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Berliner Augenblicke: Schnee, Schnee, Schnee

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Während auf Twitter schon alle Welt über den Schnee stöhnte, staunte ich am Sonntag noch über verschneite Motorhauben in Berlin – in Schöneberg strahlte der Himmel blau, getrübt von keinerlei Schneewolken. Flockenalarm? Nur in der Floskelwolke der Abendnachrichten. Und dann wachte ich am Montag in einer Schneelandschaft auf …

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Ich bin nicht allein unvorbereitet auf solche Schneemassen, wie ich auf meinem Weg zum Gleisdreieck sehe. Gerade war doch noch Sommer. Gefühlt.

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Nein, das ist nicht Russland. Vor ein paar Wochen sah es hier noch so aus.

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Ein einsamer Langläufer spurte durch den Neuschnee. Ansonsten war es bemerkenswert leer im Park, bis auf ein paar Leute mit Kameras.

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Weihnachten 15 Grad und Nieselregen, Silvester Schnee soweit das Auge reicht. Schade, dass der Schnee nicht an Neujahr gekommen ist, um über dem zu erwartenden Müll gleich mal den Schneemantel auszubreiten. Im Baumarkt am Ausgang des Gleisdreiecks stehen jedenfalls die Zeichen auf einen langen Winter: Es gibt eine große Auswahl an Schlitten. Und ein Sonderangebot Anzündeholz für den dort ebenfalls zu erwerbenden Kamin.

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Schneesturm über Berlin

Der Jahrhundertmärz schwingt sich zu neuen Rekorden auf: Jetzt gibt es sogar eine Unwetterwarnung für Berlin und die gesamte Region. Seit gestern Abend schneit und schneit und schneit es. Mir gefällt das – obwohl ich mit den Öffentlichen unterwegs bin. (Für die in Berlin das Motto gilt: Eine Schneeflocke – und aus.) Auch weil die Erinnerungen an das wunderschöne Winterwochenende noch frisch sind.

Am Samstagmorgen kurz nach sieben im Kiez:

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Am Sonntagnachmittag im Schlosspark von Charlottenburg:

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Der Blick aus meinem Fenster heute morgen. Es schneit seit 10 Stunden.

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Poetry Slam mit David Hasselhoff

Ein Wohnsitz in der Berliner Innenstadt hat viele Vorzüge. Dazu gehört, dass man, aufgrund der Parkplatzsituation, in der Regel auch ein vorhandenes Auto so wenig wie möglich bewegt und mit der U-Bahn fährt. Dortselbst wird man bestens darüber informiert, was in der Stadt so los ist. Oder eben nicht. Was ich an einem Wochenende wie diesem zu schätzen wusste. Denn an einem sonnigen Wintertag bei strahlend blauem Himmel möchte ich raus. Und zwar ohne Nachrichten-Update.

Für selbiges ist die als “Partylinie” bekannte Strecke der U1 viel besser geeignet. Gestern jedenfalls unterhielten sich zwei junge Herren aus Süddeutschland, ihres Zeichens Hipster, sehr ausgiebig über Poetry Slam Standorte in der Stadt. Wo kann ich im Takt von zwei Haltestellen so ein Handbuch zum Für und Wieder der Etablissements der städtischen Dichtkunst sonst abrufen? Auch wenn natürlich die Bierqualität und die Erreichbarkeit mit der BVG erst mal im Vordergrund stand. Dafür erhielt ich eine weitere unschätzbare Info: Mutti rief nämlich an. Um zu fragen, ob der Junior David Hasselhoff gesehen habe, wie dieser seinem Mitreisenden und mir gleich lautstark verkündete. Nein, leider sei es zu voll gewesen und überhaupt, er habe sich dann für die “Berlinsche” (sic!) Galerie entschieden. (Die heißt Berlinische Galerie und ist trotz des zungenbrecherischen Namens und der etwas abgeschiedenen Lage sehr sehenswert.) Na ja, geben wir dem Neuberliner Kredit. Während ich noch grübelte, wieso um alles in der Welt der Hipster David Hasselhoff kennt (schließlich war er ja wohl noch ein Kleinkind, als der mit der roten Boje in der Hand am Strand langrannte), hatte der Mutti schon abgehängt. Um dann seinem Compagnon zu versichern, er wäre gern hingegangen, um “den mal voll zu verarschen”. So richtig hipsterironisch eben.

Heute morgen fand ich nun auch heraus, was Herrn Hasselhoff in die Teutonenhauptstadt getrieben hat, mitten im allertiefsten Märzwinter. Nämlich die Mauer. Die mal wieder weg soll, nur dass das Volk sie diesmal lieber behalten will. Selbst wenn es dafür David Hasselhoff braucht …

So schön sah es übrigens an diesem Wochenende kurz vor Sonnenuntergang bei uns im Kiez aus. Schade, dass Herr Hasselhoff nicht da war. Dieses Berlin wäre für ihn zumindest eins mit Neuigkeitswert.

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Der eigentliche Clou an dieser Geschichte ist aber: Heute morgen in der U3 habe ich den Hipster-Spannemann wiedergesehen. Auf dem Weg zur TU, so ziemlich am anderen Ende der Stadt. Berlin ist eben ein Dorf. Oder so.

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Schneezauberland Berlin

Es gibt ja bekanntlich Leute, die im Winter ziemlich viel Zeit damit verbringen, den Winter zu verfluchen. Dazu haben sie aktuell in Berlin viel Gelegenheit, denn hier liegt Schnee soweit das Auge reicht. Genau dem traute mein Besuch aus Hongkong kaum, als er am Samstag hier eintraf: Denn nicht nur, dass dort gerade 26 Grad sind (also sozusagen Winter nach dortigem Maßstab), nein, auf solche Schneemassen war mein Gast trotz meiner eindringlichen Warnungen vor drei Monaten nicht gefasst. “Es könnten 15 Grad sein oder es schneit.” Tja, es schneite. Und wie.

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Weil wir beide Hardcorereisende sind, ließen wir uns nicht beeindrucken von dem, was Meteorologen später als “Schneemengen wie sie nur alle 10-20 Jahre zu verzeichnen sind” zusammenfassten. Wir zogen durch Berlin: Und wurden mit absoluter Menschenleere belohnt. Was seinen besonderen Reiz hat, denn Besuch aus Hongkong will selten dahin, wo es der geneigte Berliner schön findet. Sondern dahin, wo alle anderen Hongkong-Residenten auf Berlin-Besuch vor ihm waren.

So begaben wir uns zum Checkpoint-Charlie, wo es im schneidenden Ostwind nicht mal die “orginal Currywurst”-Verkäufer mehr ausgehalten hatten. Auch der letzte Fake-Soldat hatte, mangels touristischen Publikums, sich zu McDonalds zurückgezogen. Als er seine Mütze abnahm, um gleich darauf herzhaft in einen Cheeseburger zu beißen, wurde mein Gast aus Hongkong etwas unsanft auf den Boden der massentouristischen Tatsachen geholt: In Hongkong hält sich nämlich bis heute die Mär, die Soldaten am Checkpoint Charlie seien echt und verteilten echte Stempel in die Pässe. Ähm. Ja.

Da ist es um so höher einzuschätzen, dass manche Illusion von vornherein nichts anderes sein will. Dazu gehören die Panoramen, die Yadegar Asisi seit einem Jahrzehnt in deutschen Städten aufbaut. Ich erinnere mich sehr gut an seine erste Arbeit zum Mount Everest im sogenannten “Panometer” in Leipzig, einem alten Gasometer der Stadtwerke, mit denen Asisis mehrere Jahre um die Umsetzung seiner Panoramavision rang. Jetzt also die Mauer, gesehen von Westberliner Seite. Es sei sein persönlichstes Werk, schreibt Yadegar Asisi, und das merkt man auch. Asisi ist der Sohn iranischer Eltern, der in Leipzig aufwuchs (was man übrigens sympathischerweise sehr deutlich hört), in Dresden studierte und später nach Westberlin ging. Eben hinter die Mauer, die er jetzt wiederauferstehen ließ mit einem neuen Panometer, direkt am Checkpoint Charlie. Weil sich jeder vernünftige Mensch an diesem Sonntagnachmittag mit einem Buch im Bett verkrochen hatte und die unvernünftigen schon im Zug in Richtung Heimat reisten, hatten wir die Mauer für uns fast ganz allein. Ein unglaubliches Erlebnis. Und bis hin zu den im Regen glitzernden Pfützen auf der Leinwand “echt”. Obwohl ich normalerweise für diese Art von Spektakel wenig übrig habe: Hingehen, staunen, sich bewegen lassen vom Augenblick.

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Mein Gast schrieb ins Gästebuch auf Mandarin den Wunsch nach Freiheit “spazieren zu gehen”, dass ist in Festlandchina das Codewort für eine spontane Versammlung. Und en Wunsch nach Freiheit für Liu Xiaobo.

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Die Hackeschen Höfe (für mich normalerweise der Inbegriff dessen, was mit Berlin nicht mehr stimmt) scheinen in der Hongkonger Reisecommunity auch sehr populär zu sein. An einem schneestürmischen Sonntagabend fingen sie sogar mich mit einem ungeahnten Zauber ein. Und die Sophienstraße im Schnee wirkt wie ein Traumbild aus Zeiten, als Mitte noch mehr war als ein gigantischer Flagship-Store. Mehr Schnee, möchte man rufen. Mehr Schnee.

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Ein Spaziergang durch die Sophie-Gips-Höfe klärte mich darüber auf, dass Frau Barcomis Backbucherfolg in der westdeutschen Provinz zum Ausbau der Berliner Sitzgelegenheiten geführt hat. Auch wenn die Fläche des Barcomi’s nun doppelt so groß ist, war an diesem Sonntagabend alles voll. (Das waren die Schneehasser, auf die leider kein Zug wartete. Oder die, die ihre angefrorenen Finger mal wieder enteisen mussten. Wir hatten uns ja schon im McD aufgewärmt.) Die spektakulär beleuchteten Gips-Höfe jedenfalls sind auch an eiskalten Nächten einen Abstecher wert.

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Ich wünsche mir nach dieser Woche jedenfalls, dass der Winter noch ein Weilchen bei uns bleibt.

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