Schlagwort-Archive: Stadtgeschichte

Landpartie: Naumburg und seine Berühmtheiten

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Jede Stadt hat ihre Berühmtheiten. Die werden dann bei Wikipedia unter “Söhne und Töchter” aufgelistet, sofern sie da geboren sind. Ursula Römer steht da noch nicht, dabei ist sie die Nachfahrin der Steinbrück-Bürstenmacherei-Dynastie und steht noch heute mit Mitte 70 in dem Laden, den ihre Vorfahren 1885 schon an genau dieser Stelle hatten. (Das Unternehmen selbst ist noch ein paar Jahre älter.)

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Kaufen kann man hier Bürsten, Besen und Staubwedel aller Art – Ursula Römer stellt die meisten davon noch von Hand her in ihrer Werkstatt, einem Tisch mitten im Laden.

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Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe mich mit Handfeger und Besen eingedeckt. Echte Handarbeit muss man einfach kaufen. Das dachte sich wohl auch ein Hipster-Paar aus Berlin, das einen Teppichklopfer im Schaufenster erspähte und nach diversen Teppichklopfer-Testereien (es gibt da große Unterschiede!) mit dem Schaufenster-Teppichklopfer von dannen zog. (Dass man für einen Teppichklopfer eine Teppichstange braucht, werden sie schon noch rausfinden.)

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Natürlich war Martin Luther auch mal hier, und zwar drei Tage lang, wie eine Tafel am Markt verkündet. Ein paar Tage länger hielt es Friedrich Nietzsche hier aus, wenngleich nur auf Urlaub bei seiner Mutter, aber egal. Weshalb die Naumburger Stadtväter neben der Tafel auch gleich noch ein Denkmal spendierten. Frau schaut bewundernd auf zum Genie, alles klar.

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Ob man im Ratskeller gut speist, kann ich mangels Erfahrung nicht sagen. Auf jeden Fall schmeckt das Fischbrötchen, das auf dem Marktplatz verkauft wird. Und auch die Fleischer von Naumburg erreichen ein Niveau, das in Berlin wahrscheinlich schon unter gehobener Küche laufen würde. Eine Stadt, in der man gern isst und dafür auch Geld auszugeben bereit ist – noch ein Grund mehr für einen Ausflug nach Naumburg.

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Die historische Altstadt ist ein Paradies für Flaneure. Überall gibt es witzige Details zu sehen. Dass die Stadt so gut saniert ist, verdankt sie auch dem Engagement ihrer Bürger. Bei der Aktion “Dieses Haus will leben” wurden fast verfallene Häuser an Interessierte zum Symbolpreis abgegeben: Mit der Auflage, die Häuser für Kultur und Tourismus zu nutzen. So entstanden eine ganze Reihe hübscher Pensionen – doch hier heißt es rechtzeitig buchen, denn Naumburg ist in der Regel schon Wochen vorher ausgebucht.

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Zum Vorschein kamen bei den Sanierungsarbeiten auch die alten Zunftzeichen und Reliefs, die in Naumburg einst die Hausnummern darstellten.

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Andere, wie diese Buchdruckerei, haben die alte Tradition fortgesetzt und eine Mischform als ihr Markenzeichen etabliert.

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Die Reise nach Naumburg ins Saale-Unstrut-Tal war für mich eine Offenbarung: Hierher komme ich ganz bestimmt sehr bald noch einmal.

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Zeitreise: Berlin, Frühling 1945

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Jubiläen, insbesondere historische, haben die Tendenz, die Nachgeborenen zu ermüden, insbesondere, wenn die damit verbundene Geschichte so weit zurück liegt, dass Jüngere kaum noch eine emotionale Verbindung dazu aufbauen können. Um so bemerkenswerter ist die Arbeit des Berliner Unterwelten e.V., dessen Führungen inzwischen zur unangefochtenen Nummer 1 der Must-Sees in Berlin aufgestiegen sind – und zwar auch für BerlinerInnen.

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Weil es in diesem Jahr 70 Jahre her ist, dass der Zweite Weltkrieg zuende ging, bieten die Unterwelten noch bis zum 25. Mai von Donnerstag bis Sonntag oberirdische Führungen an. Karten dafür kann man telefonisch bei den Berliner Unterwelten reservieren. Der Historiker Gernot Schaulinski lässt bei dem zweistündigen Rundgang den Frühling in Berlin im Jahr 1945 wieder aufleben – mit Fotos, Zeitzeugenberichten und vielen Fakten zur Stadtgeschichte, die selbst der Urberliner noch nicht kannte.

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Von der Reichskanzlei geht es über den Führerbunker zum Wilhelmsplatz, wo Adolf Hitler einst im Hotel Kaiserhof residierte und später die in Hausschlappen zum letzten Gefecht eingezogenen Berliner (Rentner oder 13-jährige) für ihren Fronteinsatz eingeschworen wurden. Wie es weiterging im Frühling und Frühsommer in Berlin, erzählt Gernot Schaulinski so kurzweilig und unterhaltsam, dass man kaum merkt, dass man seit zwei Stunden im Berliner Sturm unterwegs gewesen ist.

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Wer dann Lust auf mehr bekommen hat, bekommt von Gernot Schaulinski gleich noch einen Tipp mit auf den Weg: “Mythos Germania – Vision und Verbrechen“ ist  noch bis zum 30. November 2015 von Donnerstag bis Sonntag 11–18 Uhr zu sehen. Tickets gibt es an der Kasse des Vereins Berliner Unterwelten, Brunnenstraße 105, der die Ausstellung entwickelt hat. Kurator war übrigens Gernot Schaulinski. Schon das Grund genug für mich, dort bald vorbeizuschauen.

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Berliner Sommer: Berlin Marathon 2014

Himmel über Berlin

Wie jedes Jahr wirft sich die Sonne zum Berlin Marathon noch mal richtig ins Zeug. Doch anders als in den Jahren zuvor kommt man dabei richtig ins Schwitzen: Und zwar ganz ohne Sport. Der Himmel ist blau und die Luft fühlt sich an wie Mitte August. Einen Weltrekord gibt’s trotzdem. Dennis Kimetto aus Kenia läuft die 42,195-km-Distanz in 2:02:57 Stunden. Hier sprintet er quasi knapp vor meiner Haustür vorbei.

Berlin Marathon Kimetto

Faszinierend am Berlin Marathon finde ich vor allem die Tatsache, dass sich die ganze Sache vor vierzig Jahren ein Bäcker aus Tempelhof ausgedacht hat. Inzwischen hat Horst Milde den Staffelstab an seinen Sohn Mark abgegeben. Dit is Berlin, würde der angetraute Urberliner sagen. Einem ist langweilig, und irgendwann nennen sie es Event.

Berlin Marathon FüßeBerlin Marathon

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Landpartie: Brandenburg an der Havel

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Denn das Gute liegt so nah: Wahre Worte über Brandenburg an der Havel. Nur eine Stunde mit der Bahn vom Berliner Hauptbahnhof an der Strecke nach Magdeburg liegt diese über 1000 Jahre alte Stadt, die dem Land Brandenburg den Namen gab.

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Die Stadt ist von Wasser durchzogen, von Wasser umgeben, vom Wasser bestimmt: Kein Wunder, dass Wassersport hier Volkssport ist. Auch mit dem Fahrrad findet man hier den Himmel auf Erden dank zahlloser ausgebauter Radwege. Als Etappenort für Radwanderer ist die Stadt inzwischen so beliebt, dass es am Wochenende schwierig werden kann, ein Bett zu finden.

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Die Stadtverwaltung weiß zum Glück um die ökonomische Bedeutung des Gelegenheitsbesuchers und kennt die Tricks, um aus diesen Immerwiederkehrer zu machen. Ein perfektes Leitsystem durchzieht die gesamte Innenstadt, die historisch bedingt aus drei Teilen besteht (Neustadt, Altstadt, Dominsel).

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Dem frisch sanierten Hauptbahnhof am nächsten liegt dabei die Neustadt. Doch auch Dom und Altstadt sind zu Fuß leicht zu erobern. Täglich bietet die Touristeninfo einen Stadtspaziergang durch die Neustadt an. Treffpunkt dabei ist der Fritze-Bollmann-Brunnen, dessen Namensgeber als lokaler Schluckspecht bekannt war und mit einem Spottlied zum Maskottchen der Stadt wurde. Wer das Lied nicht kennt – keine Sorge. Zu Beginn der Stadtführung wird es bis zur allerletzten Zeile rezitiert.

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Im nächsten Jahr findet in Brandenburg an der Havel die Buga statt – ein Glücksfall für die Stadt, denn nun ist endlich Geld und Raum da, das tausend Jahre alte Gewand frisch aufzubügeln. An diesem Foto sieht man sehr gut, wie viel in sehr kurzer Zeit erreicht wurde.

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Wer sich von einem Restaurant nicht nur kulinarische Erlebnisse verspricht, wird sich in den Bismarck Terrassen wie ein Lottokönig fühlen. Hier ist die Anekdote zu Hause, denn hier regiert mit Günter Weber noch ein echter Wirt. Das “preußische Traditionsrestaurant” (Eigenwerbung) ist vollgestopft mit Nippes und Büchern rund um das Thema Mark Brandenburg. Und natürlich ist auch der Namensgeber, der Brandenburger Fürst Otto von Bismarck, in Wort und Bild präsent. Auch auf der Speisekarte. Die Bismarck Terrassen sind ja ein “Erlebnisrestaurant” (Eigenwerbung). Deshalb gibt es Bismarcks Lieblingsspeisen. Wir probierten Matjes mit Schlagsahne (!), Spreewaldgurke, scharfen Bratkartoffeln und Spiegelei. Herr Bismarck, Sie hatten Geschmack!

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