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London: Camden Lock Market, Camden Town

Jeden Tag der Woche herrscht in Camden Town rund um Camden Lock Betrieb, doch der Haupt-Markttag ist Sonntag. Schon morgens um zehn sind die Stände des riesigen Marktbetriebs dicht umlagert. Dass es später noch voller wird, sehen wir an der Camden Town Tube Station: Ein Schild verkündet, dass die Station sonntags von 13 bis 17 Uhr geschlossen bleibt. Davor wird der Verkehr in die Tube hinein von mehreren Sicherheitsmitarbeitern gelenkt: Die Rolltreppe ist nur für ankommende Passagiere benutzbar, für die Einsteiger geht es minutenlang die Wendeltreppe hinab, die ansonsten der Fluchtweg ist. Von daher: Früh aufstehen, es lohnt sich.

London Camden Lock MarketLondon Camden Lock Market

Ähnlich wie auf dem Portobello-Markt werden auch hier kunstvolle Dinge und als Kunst Definiertes an die zahlende Kundschaft gebracht. Wer in London ein Geschenk sucht, wird hier mit Sicherheit fündig. Der Wow-Faktor in Camden Lock ist definitiv höher als in Notting Hill – wer sich also nicht zwei Tage hintereinander durch das Gedränge fräsen will, ist mit Camden besser bedient. Auch für “einfach mal so Gucker” gibt es hier viel mehr zu sehen. Auch Londoner kommen gern hierher, um sich mit Taschen, Gürtelschnallen oder Sonnenbrillen auszurüsten.

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Der neueste Trend in London nach den Angeboten in Camden zu urteilen: Semitransparente Boots aus gefärbtem Kunststoff. Allerdings habe ich niemanden damit herumlaufen sehen.

London Camden Lock Market

Das Thema Schuhe präsentiert sich in Camden Town buchstäblich auf Schritt und Tritt. Fast alle Schuhgeschäfte sind auch ohne Sprachkenntnisse als solche zu erkennen. Schon allein das ist auch unter der Woche ein guter Grund, der Gegend einen Besuch abzustatten. Und verhungern wird hier auch niemand.

London Camden Lock Market

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Die Ankunft der Klappsandale

Das Schöne an einem eigenen Blog ist ja, dass man Produkte loben kann, so viel man lustig ist. Deshalb widme ich diesen Beitrag der „Klappsandale“ (© radiotelefon), aka Softclox. Fashionista die ich bin hätte ich nie im Leben gewusst, dass es diese Schuhmarke überhaupt gibt. Noch amüsanter wird es allerdings, wenn man die Person kennt, die mich in das Geheimnis des „biegsamen Holzschuhs“ (Eigenwerbung) eingeweiht hat. Die ist nämlich noch weniger fashionaffin als ich, was an sich ja schon eine Leistung ist.

Doch Qualität darf ruhig auch chic aussehen, sagte sich die Frau vom anderen Mode-Stern, und schwupp, schon macht es sich der Schuh mit dem Gummischarnier in der Sohle in meinem ziemlich überschaubaren Schuhschrank gemütlich. Das heißt er ruht sich darin aus, denn morgen geht es damit wieder auf Kieztour. Und was soll ich sagen: „Friends for life“, auch wenn die Liebe genau zwölf Stunden alt ist. Aber wenn es der richtige (Schuh) fürs Leben ist, weiß das Frau eben auf den ersten Schritt. (Vor allem, wenn man zumindest vom Gang her es auf einmal mit jedem Topmodel aufnehmen kann, und zwar ganz automatisch nur durch die Konstruktion des Schuhs.)

Na ja, nur das mit dem „Schuhe mit dem Wow-Effekt“, liebe Agenturkollegen, das geht doch deutlich besser. (Klingt irgendwie nach Margarine-Werbung und kann es an Beklopptheit auch lässig mit dem seligen „Sie baden gerade ihre Hände darin“-Spülmittel-Spot aufnehmen.) Die Klappsandale hat wirklich mehr Stil (verdient).

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Die Schönheit nicht erwartbarer Momente

Jeder Mensch, der nicht in Berlin lebt, denkt, Berlin sei anonym, unpersönlich, laut, hässlich, ungehobelt. Na gut, hässlich und ungehobelt lass ich noch gelten. Wobei die Hässlichkeit im Auge des Betrachters liegt, und auch an den Ton der Leute hier kann man sich nicht nur gewöhnen, sondern auch prima anpassen, ohne dass einem was fehlen würde.

Laut ist natürlich eine Frage des Standpunkts, aber irgendwie scheint der geneigte Besucher von seinem Hörerlebnis auf dem Potsdamer Platz zur Rushhour der Klassenfahrts- und Junggesellenabschiedstrinkgelagemobs auszugehen. Liebe Gäste aus dem herrlichen Ostfriesland und dem wunderschönen Allgäu: In der Großstadt lebt man nicht notwendigerweise am Autobahndrehkreuz oder direkt vor dem Hauptbahnhof. Und wenn ihr am Potsdamer Platz einen Berliner trefft, ist der wahrscheinlich mit seinem Internetbekanntschaft aus Bielefeld dort unterwegs.

Aber was auf Berlin nun ganz sicher nicht zutrifft sind die Attribute anonym und unpersönlich. Das kann ich sagen, denn ich wohne hier. Und zwar mittendrin, nicht dort, wo Berlin aussieht wie eine Schlafvorstadt von Castrop-Rauxel (und das gibt es hier durchaus, man nehme an der Endhaltestelle einer beliebigen U-Bahn und fahre weiter mit dem Bus. Dann kann man sich viele, viele Fahrkilometer lang beim Blick aus dem Fenster wundern, dass all das immer noch Berlin ist, sogar mit Berliner Postleitzahl.)

Hier also wo ich wohne, gebe ich meinen Wintermantel nach Saisonende in der Reinigung ab und die Dame sagt, aber da haben wir ja wieder das Knopfproblem, Sie wissen Bescheid. Ja, man kennt sich hier, ob es einem passt oder nicht. (In der Reinigung passt es schon, aber wenn man dann an einem bestimmten Laden vorbeihuschen muss, weil man sich vor Jahren mal über eine sehr schlechte Dienstleistung beklagt hat, ist das natürlich weniger schön.)

Doch selbst hier, im Dorf mitten im „Moloch Berlin“ (wie eine Dame im Fernsehen neulich meinte, als sie inmitten von anderen Besucherinnen am Brandenburger Tor herumstand, um dann bis zum Adlon zu laufen und schon aus der Puste zu sein), in diesem Hort des Erwartbaren also gibt es noch unerwartbare Momente. Wie neulich zum Beispiel, als ich mit vollgepacktem Hackenporsche erst zur Reinigung, dann zu meinem Lieblingsschuster rollte, nur um bei letzterem festzustellen, dass von den vielen reparaturbedürftigen Schuhpaaren eines seinen Spannemann vermisste. Tja. Kann nicht sein, Kopfkratzen, Schwitzen, Hackenporsche geschüttelt, gerüttelt, gedreht: Nix. Nada. Niente. Nitschewo. Nothing. Der Schuh ist wech.

Also nach Hause, Wohnung auf den Kopf gestellt, Möbel von a nach b und wieder zurück bewegt, bei der Gelegenheit viele schöne und lange vermisste Dinge wiedergefunden. Nur nicht den zweiten Schuh. Mist. Mein Lieblingspaar. Tag in der Grütze, der Abend auch.

Was soll ich sagen, am nächsten (!) Tag spaziere ich zum Einkaufen – und sehe auf der Fahrbahn meinen Schuh! Genau da wahrscheinlich, wo er mir vor vielen, vielen Stunden aus dem Hackenporsche gesprungen war. Unbeschädigt, unangetastet, nicht als Ersatz-Fußball durch die Gegend gekickt, nicht als Müll in der Tonne entsorgt, nicht im Schutze der Nacht ins Eigentum eines Schuhfetischisten überführt. Nein, da ist er einfach in seiner ganzen Schönheit. Berlin, ick liebe dir.

Das wird vielleicht auch eine Dame denken, die ihrer schwarzen Absatzschuhe auf der lokalen Kneipenmeile verlustig ging und sie sicherlich bei klarem Kopf dort die Tage wiedergefunden haben wird. Sie standen, schön säuberlich abgestellt, völlig unberührt am Straßenrand. Ich hätte ein Foto machen sollen, aber ich hatte mal wieder den Hackenporsche und kein Handy dabei.

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