Schlagwort-Archive: Reise

Welterbe Naumburg: Zweiter Anlauf Paris 2017

P3300252a.jpg

Naumburg modifiziert seinen Welterbeantrag bis Januar 2016 und versucht in einem zweiten Anlauf, den Naumburger Dom und die Denkmal-Landschaft an Saale und Unstrut bei der Tagung UNESCO-Welterbe-Kommission in Paris 2017 auf die Welterbeliste setzen zu lassen.

Die Sitzung des Gremiums in Bonn vor wenigen Tagen hatte den vom Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut entworfenen Antrag zur Überarbeitung an diesen zurückgegeben. Das werteten die am Antrag beteiligten als Teilerfolg – denn zuvor hatten die Gutachter des Internationalen Rates für Denkmalpflege ICOMOS das Naumburger Konzept als „zu intellektuell“ verrissen und der Kommission klipp und klar die Ablehnung des Antrags empfohlen.

Die Naumburger ließen sich davon nicht beirren und zogen ihren Antrag entgegen aller Warnungen nicht zurück. Jetzt wurden sie belohnt: ICOMOS ruderte nach dem Votum der Kommission zurück und sagte seine Unterstützung bei der Überarbeitung des Antrags zu. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt zeigte sich vorbereitet und sagte umgehend finanzielle Unterstützung für die nächste Antragsrunde zu.

Wer wissen will, warum Naumburg Welterbe werden will, dem sei schon jetzt eine Landpartie dahin empfohlen. Und für Weinfreunde ist die Gegend ohnehin ein Muss.

Getaggt mit , , , , , , , ,

Radiotipp: Taiwan, Paradies für Feinschmecker

Wer für dieses Jahr noch keinen Urlaub geplant hat oder für nächstes Jahr noch ein Ziel für eine unvergessliche Reise sucht, dem sei pünktlich zur Internationale Reisemesse ITB das Reiseziel Taiwan ans Herz gelegt. Das Land, in dem man nicht nur chinesische Kultur und Traditionen erleben kann, sondern wirklich überall ausgezeichnet isst.

Bücher, Tee und Geisterkunde heißt meine Sendung, die heute 19:04 im rbb kulturradio zu hören sein wird: Und anschließend hier nachgehört werden kann. Wer lieber lesen will: Hier ist das Manuskript.

Tempel, Hualien, TaiwanLongshan Temple, Taipei, Tawain

Während viele das Reiseziel Taiwan mit Bildern von Industrie und Wolkenkratzern verbinden, ist die wilde Natur von Taiwans Bergen in Europa so gut wie unbekannt.

Fahrradfahrer, Taipei, Taiwan

Die Menschen in Taiwan selbst sind, im Gegensatz zum Beispiel zu den meisten in China, große Outdoorliebhaber. Überall in den Bergen trifft man einheimische Wanderer, oft ganze Wandergruppen. Und nicht nur in Taipei wird gern und oft Fahrrad gefahren: Für Mountainbiker existieren wunderbar ausgebaute Trails. Doch auch für Sonntagsradfahrer wird einiges geboten: Vor allem die Hotels an der Ostküste der Insel haben sich auf diese Gruppe eingestellt und verleihen Fahrräder für die Küstenradwege: Oft sogar ganz und gar kostenfrei.

Taroko-Schlucht, Hualien, TaiwanAborigines Fischerboot, Taitung County, Taiwan

Tee wird in Taiwan viel getrunken: In den Bergregionen wie Alishan wird viel Tee angebaut. Dafür sind die Kunden auch bereit zu bezahlen: Tee hat in Taiwan Preise wie in Deutschland der Wein. Nach oben hin ist alles offen.

Teefeld, Alishan, TaiwanTeezeremonie, Alishan, Taiwan

Bei jungen Leuten beliebter als die klassische Teezubereitung ist in Taiwan jedoch der Tee, der in Deutschland als Bubble Tea vor ein paar Jahren einen Durchbruch suchte. Warum das nicht klappen konnte, erzählt meine Sendung: Denn ich stehe höchstpersönlich am Herd, auf dem die Bubbles in der originalen Qualität zubereitet werden. Ohne zu viel zu verraten: Es ist eine ziemlich knifflige Angelegenheit, die mit Fast Food nichts zu tun hat.

Bubble Tea, Taiwan

Vor allem aber kann man in Taiwan gut essen. Überall. Immer. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und für alle Ansprüche. Auf der Straße gibt es Zuckerrohrsaft, gedämpfte Teigtaschen und köstliche Suppe mit hauchdünnen Rinderfiletscheiben für sehr kleines Geld.

Zuckerrohr und Limetten, Shilin Nightmarket, TaiwanBambuskörbe für gedämpfte Teigtaschen, Hualien, TaiwanFleischsuppe, Tainan, TaiwanAbendessen, Nachtmarkt Keelung, TaiwanChinesische Äpfel, Markt, Hualien, Taiwan

Freunde der japanischen Küche kommen in Taiwan sehr, sehr günstig auf ihre Kosten. Die einstige Besatzungsmacht Japan hat ihre Spuren hinterlassen, so dass man alle möglichen und unmöglichen Teile des Fischs zu leckeren Speisen verarbeitet.

Fischhändler, Markt, Tainan, TaiwanSashimi, Taitung County, TaiwanMarkt Tainan, TaiwanMarkt Tainan, Taiwan

Doch nicht alles, was die einheimische Kundschaft liebt, möchte sich der Europäer einverleiben. Hühnerfüße gehören definitiv nicht zu meiner Leibspeise: In Taiwan werden sie aber sehr gerne gegessen, und zwar von allen Altersgruppen. (Ja, ich habe sie gekostet. Sie schmecken wie Glibber an Knochen. Nicht mein Fall.) Zum Glück aber gibt es genug andere Angebote zum Schlemmen in Taiwan.

Hühnerfüße Markt Tawain

Und wenn man dann mal satt ist, kann man sich dem Wandern zuwenden. Die Natur in Taiwan allein ist in jedem Falle schon die etwas lange Anreise wert.

Landschaft im Taitung County, Taiwan

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Chongqing treats

Meine chinesische Kollegin und Teampartnerin JN ist mit einer wunderbaren App ausgestattet: Nämlich mit einer, die die besten Lokale rund um den eigenen Standort anzeigt. Essensverrückt wie fast alle Chinesen setzt JN noch einmal neue Maßstäbe, was die Laufbereitschaft für Genuss angeht. Zusammen entdecken wir die Spitzenlokale von Chongqing, die sich wie in China üblich entweder in Shopping-Malls oder in den oberen Stockwerken von Bürohochhäusern vor den Augen von ahnungslosen Touristen geschickt verborgen halten.

Chongqing 002

Chongqing 004Chongqing 008Chongqing 009Chongqing 011

Dass es draußen fast immer aus Eimern schüttet, interessiert da schon keinen mehr. Auch nicht unsere Gesprächspartner, denn Interviews während der chinaweit standardisierten Essenzeiten (von 12 bis 14 und 17 bis 20 Uhr) braucht man nicht einmal anzudenken. (So flexibel wie die Chinesen ansonsten in Sachen Terminplanung sind: Beim Essen hört die Zeitkreativität auf.) Uns bleibt also nichts als vor Tau und Tag aufzustehen (das Taxiproblem fordert logistische Meisterleistungen) oder bei Nacht um die Häuser zu ziehen. Denn schließlich kann man Radiointerviews ja schlecht beim Essen führen. Schon gar nicht in einem Lokal in Chongqing, denn noch beliebter als pünktlich zu speisen ist eine gepflegte Konversation beim Essen – was auf chinesisch heißt, schreien aus vollem Rohr.

Abends schauen wir den Nachbarn in unserem Viertel in einem der alten Bezirke von Chongqing beim Tanzen zu. Denn das ist die dritte Passion des Chongqingers: Nach all der Völlerei gehört der Abend der Gesundheitspflege rund um die örtliche mobile Polizeistation.

Chongqing 027Chongqing 039Chongqing 051

Getaggt mit , , , ,

Das finstere Grau der Stadt

In Chongqing bekommt der Ausdruck “Großstadtdschungel” ein Gesicht. Und das ist grau. Wie Lianen winden sich die Brücken über die Straßen, manche bis zu fünf oder sechs “Stockwerken” hoch. Zusammen mit dem tief hängenden Himmel, aus dem der Regen tröpfelt, und dem für Chongqing typischen Dauernebel ergibt das ein finsteres Bild.

Chongqing 007Chongqing 066

Julie stammt aus Chongqing, wie ihre ganze Familie viele Generationen zurück. So wird der Stadtrundgang mit ihr auch eine Reise in die Vergangenheit: Denn vieles, was Chongqing einst ausmachte, ist inzwischen nicht mehr zu sehen. Die meisten der an den Hang geklebten Dörfer mussten Hochhäusern weichen, die oft mit Leuchtelementen versehen sind und nachts die Stadt in ein Las Vegas des Ostens verwandeln. Am Tag fehlt ihnen leider das, was das Leben in den Dörfern ausmachte: Die Seele und auch der Platz, um Zeit mit den Nachbarn auf der Straße zu verbringen.

Chongqing 060Chongqing 100

Wir wandern durch triste Gassen und Hinterhöfe, alle alten Häuser tragen die roten Markierung, die auf baldigen Abriss hindeutet. Später nehmen wir die Seilbahn zwischen den Flußufern. Julie zeigt auf ein Hochhaus. “Genau an der Stelle haben meine Großeltern gewohnt. Und das ist die Schule meiner Mutter, aber du kannst sie nicht sehen.”

IMG_5953IMG_5939IMG_5957

Später treffen wir Garfield und probieren zusammen das Gericht, das – glaubt man den Menschen in Chongqing – hier erfunden wurde: Hotpot oder Fondue Chinoise, wie es in Europa auch genannt wird. In einem Kessel mit einer Brühe voller Chilischoten und anderer Gewürze gart man in Chongqing besonders gern Ochsenmagen, Entendarm oder Tofuhaut. Dazu gibt es Bier, das mit 3 Prozent Alkohol höchstens die Chinesen vom Nachbartisch vom Stuhl haut.Zwinkerndes Smiley

Chongqing 139Chongqing 149

Getaggt mit , , , ,
%d Bloggern gefällt das: