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London: The East End

Weil mir die letzte Tour so gut gefallen hat, beschließe ich, den Sonntag wieder mit London Walks zu verbringen. Diesmal geht es mit Harry ins East End, das bis vor der Olympiade fest in der Hand von Bangladeshis war und seit Olympia mehr und mehr von Hipstern und Bankern aus der nahe gelegenen City of London entdeckt wurde. Häuser, die vor ein paar Jahren noch für 100.000 Pfund den Besitzer wechselten, kosten jetzt mehrere Millionen – vor der Renovierung.

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Dennoch kann man hier London von seiner multikulturellsten Seite erleben. Harry erzählt vom Wandel dieser Kulturen. Als seine Großeltern zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Osteuropa hier ankamen, sprach man im East End jiddisch – ausschließlich, so dass selbst Theaterplakate ins Jiddische übersetzt wurden, auch wenn die Vorstellung selbst dann in dem für die Neuankömmlinge unverständlichen Englisch stattfand. Bis zum Ende der 60er Jahre wurden in der Whitechapel Library vor allem jiddischsprachige Bücher verliehen: Weshalb man die Bücherei auch “jüdische Universität” nannte.

London East End

Wahrscheinlich hat der Bezirk diese Geschichte im Hinterkopf, als er die örtliche Bibliothek neu bauen ließ. Diese heißt jetzt Idea Store Whitechapel und ist an sieben Tagen die Woche geöffnet – mit kostenlosem Internetzugang, einem Cafe, DVD und CD Verleih. Und natürlich jeder Menge Büchern auf Papier.

Unser Stadtspaziergang führt dann weiter zur Brick Lane, die durch das Buch von Monica Ali zu internationaler Berühmtheit gefunden hat. Das Buch selbst ist zwar ein bisschen länglich geraten, aber wer in London ins East End fährt, wird die Lektüre dennoch nicht bereuen.

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Die Brick Lane ist in den letzten zehn Jahren nicht nur zur Straße mit den meisten Curry-Lokalen geworden (es sollen aktuell 37 sein laut Harry). Da hier jede Menge Hipster herumstapfen oder mit ihrem geliehenen Fahrrad herumkurven, ist die Qualität dieser Etablissements nicht unbedingt für Gourmets ausgelegt. Für den kleinen Hunger zwischendurch empfiehlt sich Beigel Bake, eine 24 Stunden geöffnete Bäckerei, wo man sehr günstig Bagel mit und ohne Belag erstehen kann.

Wer nach der Tour noch Nerven hat, kann sich im Spitalfields Market vergnügen. Der einstige Großmarkt ist jetzt zu einem Mix aus Hipster-Lokalen, Flohmarkt und Designershops umgestaltet und ist, wenn man in der Gegend ist, sicherlich einen Runde wert.

Abends beginnen hier die Jack the Ripper Touren von London Walks – nach der Kostprobe, die uns Harry liefert, stelle ich fest: Gute Nerven braucht es dafür schon.

London East End

In jedem Falle ist es ein Erlebnis zu sehen, wie die Menschen in London um einander herum leben können – ich bin ich, du bist du, und solange du mich in Ruhe lässt, ist es mir vollkommen egal, wie du rumläufst.

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London: Hidden London mit Russell Nash

Ein Stadtspaziergang ist noch einmal so schön, wenn einer mitgeht, der ein bisschen mehr weiß, als so im Reiseführer steht. Im Gegensatz zu manchen meiner Freundinnen, die meinen, sich treiben lassen bringe in einer Stadt die einzig wahren Erkenntnisse, liebe ich geführte Stadtspaziergänge. (Vielleicht auch, weil mich die Geschichten der Leute mehr interessieren als die örtlichen Arten, Kaffee zuzubereiten.)

Wie schon mehrfach zuvor in London vertraute ich London Walks und buchte eine Tour mit dem Titel Hidden London: Durch die City of London, die einst die römische Siedlung bildete, die später London genannt wurde. Heute schlägt hier das Herz des Finanzkapitals, Börse, Unternehmensberatungen, Investmentbanken, alle hier. The City of London hat mit dem Lord Mayor of London sogar einen von der Finanzwelt selbstbestimmten Vertreter, der die Interessen der ansässigen Finanzindustrie von London in der Welt vertreten soll. Aktuell ist das eine Frau, Fiona Woolf, die zweite in diesem Amt in den 800 Jahren seiner Geschichte.

City of LondonCity of London Stock Exchange

Unser Tourguide ist Russell Nash, ein Musterbeispiel des legendären englischen Exzentrikers und ein ausgesprochen kenntnisreicher Stadtführer. Wie ich später nach einer Suche im Netz gesehen habe, bietet Russel auch auf eigene Rechnung Stadtspaziergänge durch London an. Wenn diese nur halb so gut sind wie unsere, kann ich sie uneingeschränkt empfehlen.

Treffpunkt ist die Station Monument, wo genau dieses steht. Es erinnert an den Brand, der 70.000 der 80.000 Bewohner der City of London obdachlos machte und sich als The Great Fire of London neben the Blitz (1940) in das Gedächtnis der Londoner als das schlimmste Ereignis der Stadtgeschichte eingebrannt hat. Das Monument ist genauso hoch wie die Entfernung zum Ausbruchsort des Feuers, einer Bäckerei in der Pudding Lane. Wobei Pudding, so erklärt uns Russell, mitnichten die in Deutschland unter diesem Namen bekannte Süßspeise meint. Sondern das, was in Abwasser- und Fäkaliensammelbecken an der Oberfläche anfindet.Zwinkerndes Smiley

City of London MonumentCity of London St. MagnusCity of London St. Magnus

Die 1000 Jahre alte Kirche St. Magnus der Märtyrer steht an der Stelle, an der die alte London Bridge einst stand – von der man in der Kirche ein Modell anschauen kann. Damals ein Dorf, das über den Fluss gebaut war.

City of London St. Magnus London BridgeCity of London Tourguide Russell Nash

Von den vielen kuriosen versteckten Objekten auf dieser Tour ist der London Stone sicherlich auf Platz eins. Durch ein Gitter unterhalb einer Drogeriekette kann man in den Keller spähen, wo ein Stein in fast völliger Dunkelheit kaum zu erkennen ist. Ob dieser Stein eine römische Hinterlassenschaft ist oder nicht bleibt ungeklärt. In Gedichten jedenfalls heißt es, solange es den London Stone gibt, gibt es auch die Stadt.

City of London London Stone

Am Ende der Tour spazieren wir noch in die Guildhall Art Gallery, in der die Ruine des bei ihrem Bau zufällig entdeckte Amphitheater der Römer zu sehen ist. Daneben kann man durch die etwas eklektische Kunstsammlung der City of London schlendern und sich allerhand Sehenswürdigkeiten von London in Öl anschauen – Eintritt ist frei.

City of London Guildhall Art Gallery AmphitheaterCity of London Guildhall Art Gallery Amphitheater

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London für Anfänger: Hello Prince Philip!

Obwohl ich schon unzählige Male in London war, habe ich mich bisher aus megatouristischen Ansammlungen immer heraushalten können. Dass bei unserer “London für Anfänger”-Tour jedoch nichts ohne die Royals laufen würde, war recht schnell klar. Also Buckingham Palace. Wachablösung. Und das ganze Programm drumrum.

Um mir das so angenehm wie möglich zu gestalten, setzte ich mich diesem Stress nicht als alleinige Reiseleiterin aus, sondern heuerte Expertenwissen an: Fiona von London Walks! Diese Stadtspaziergänge kann ich nur jedem empfehlen, der nach London kommt. Meine erste Tour mit ihnen fand so ungefähr vor 20 Jahren statt. Allein die Tatsache, dass sie immer noch da sind (und immer noch genauso gut und fast genauso günstig) spricht Bände. Heutzutage tummeln sich ja Dutzende Stadtführungsfirmen in der Stadt, viele davon sind sich nicht zu fein, in diversen Bewertungsportalen gute Referenzen zu faken – um dann für den dreifachen Preis ein Fünftel des Wissens zu präsentieren.

London Big BenLondon City of Westminster BusLondon City of Westminster George VLondon Westminster Abbey Monument

Fiona jedenfalls hatte es drauf und führte uns im Stechschritt durch the City of Westminster, wobei sie ganz britisch ständig mit dem Hut schwenkte, denn in den Massen an touristischer Konkurrenz auf der Straße war es sehr leicht, sich zu verlieren.

Pünktlich zum Changing of the Guard trafen wir am Buckingham Palace ein – und dank Fionas Ortskenntnis standen wir jeweils zur richtigen Minute auf der richtigen Seite der Straße, um immer den besten Blick zu haben. Falls jemand an der Prozedur Interesse hat – unbedingt eine Führung buchen, die Menschenmassen lassen einen schier durchdrehen, und wenn man nicht auf die Sekunde genau den Platz wechselt, sieht man von der mehrteiligen, an verschiedenen Orten stattfindenden, aber insgesamt sehr kurzen Zeremonie eigentlich nix.

London Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham PalaceLondon Wachablösung Buckingham Palace

Schließlich ging es noch durch ein paar Gassen rund um die diversen Paläste in Westminster City. Florence Nightingale war auch da: Erinnerungen an meinen Englisch-Unterricht, da wurden die Krankenschwester und ihr Leben und Werken in aller Ausführlichkeit behandelt.

London Denkmal Florence Nightingale

Ach ja, und am Ende haben wir nicht nur die königlichen Wachen, sondern ein echtes Mitglied der Königsfamilie gesehen. Fiona beobachtete ungewöhnliche Absperrungen an Westminster Abbey und lotste uns flugs auf eine Verkehrsinsel. Genau in dem Moment rollte der Wagen von Prince Philip an uns vorbei – auf dem Weg zu einem Gottesdienst.

London Westminster Abbey Prince PhilipLondon Westminster Abbey Prince Philip

Es ist der ältere Herr, der neben dem Geistlichen herläuft. Auf Paparazzi-Fotos war ich dann doch nicht eingerichtet.Zwinkerndes Smiley

London Westminster Abbey Prince Philip

Und was sagt der London-Anfänger zu diesem Erlebnis? “Na ja, die Queen war es nicht.”

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