Schlagwort-Archive: Licht

Berliner Augenblicke: Mauerfall 2.0

Berlin 25 Jahre Mauerfall

Events mit und ohne Licht sind die Militärparaden des Westens. Statt einer nationalen Waffenschau fuhr Berlin zum 25. Jahrestags des Mauerfalls entlang der einstigen Mauer 15 Kilometer beleuchtete Ballons auf, die rechtzeitig vor der Tagesschau in den Himmel entlassen wurden.

Berlin 25 Jahre Mauerfall East Side GalleryBerlin 25 Jahre Mauerfall

Bilder stimmten, Emotionen auch: Selbst Leute, die sich garantiert nicht an die Zeiten vor dem Mauerfall erinnern können, verfielen in kollektiven Mauerrausch. Die andere erzählten sich melancholische Schnurren und betonten, dass sich ja nur noch ihre Generation überhaupt noch erinnern kann. Der Rest (also Spanier, Chinesen, Amerikaner) freute sich bei Bratwurst und Gedränge an den Deutschen und ihrer Nacht der erinnerten nationalen Euphorie.

Berlin 25 Jahre Mauerfall OberbaumbrückeBerlin 25 Jahre Mauerfall OberbaumbrückeBerlin 25 Jahre Mauerfall East Side GalleryBerlin 25 Jahre MauerfallBerlin 25 Jahre Mauerfall ReichstagBerlin 25 Jahre Mauerfall

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Berlin im Licht: Festival of Lights 2014

Berlin Festival of Lights

Der Winter ist Berlin ist echt eine Zumutung, findet die Residenzberlinerin. Bevor die feuchte graue Decke wieder monatelang ungefähr einen Meter über dem eigenen Kopf festklebt, besäuft sich die Stadt noch einmal kollektiv am Licht. Beim Festival of Lights ist Berlin auf den Beinen: Und zwar nicht nur die Touristen, sondern Spandau, Karow, Marienfelde und Frohnau.

Berlin Karl-Liebknecht-StraßeBerlin Festival of Lights FernsehturmBerlin Festival of Lights Weltzeituhr

Selbst der Alexanderplatz, bei Tag noch eine größere Zumutung als der Berliner Winter, sieht im Licht auf einmal wie das Herz einer Weltmetropole aus.

Berlin Festival of Lights

Auf dem Platz vor dem Berliner Dom herrscht Volksfeststimmung. Jeden Abend werfen hier andere Lichtvisionäre ihre Ideen an die Fassade – und jedes neue Bild wird von den Zuschauern kommentiert, beklatscht und natürlich fotografiert. Wobei an diesem Abend die Rose den Publikumspreis gewinnt.

Berlin Festival of LightsBerlin Festival of LightsBerlin Festival of LightsBerlin Festival of LightsBerlin Festival of Lights

Selbst der Bebel-Platz, derzeit von der Endlos-Baustelle der Staatsoper dauerverschandelt, erstrahlt beim Festival of Lights in unerwartetem Glanz.

Berlin Festival of Lights

Mittendrin das Hotel de Rome, sonst bekannt für den Bar-Blick von der Dachterrasse. Hier werden aktuell sogar farblich zur Fassade passende Drinks serviert.

Berlin Festival of Lights Hotel de RomeBerlin Festival of Lights Hotel de RomeBerlin Festival of Lights Hotel de Rome

Freunde der Hochkultur werden das Spektakel auf dem Gendarmenmarkt zu schätzen wissen. Das Konzerthaus feiert die Musikgeschichte, während der Französische Dom mit Farbstimmungen experimentiert.

Berlin Festival of Lights Konzerthaus am GendarmenmarktBerlin Festival of Lights Französischer DomBerlin Festival of Lights Französischer DomBerlin Festival of Lights

Vor dem Brandenburger Tor kreischen die Chinesen, die sich im Gedränge bestimmt wie zu Hause fühlen. Das bevorstehende Jubiläum des Mauerfalls inspirierte auch das Lichterfest. Ob die projizierten Bilder von protestierenden Menschen den Gästen aus China gefallen hat, war nicht zu erkennen. Hongkong oder der Platz des Himmlischen Friedens sind weit weg, wenn man ein Smartphone unter dem Daumen hat.

Berlin Festival of Lights Brandenburger TorBerlin Festival of Lights Brandenburger TorBerlin Festival of Lights Brandenburger Tor

Der Potsdamer Platz leuchtet in diesem Jahr im Zeichen der Kaleidoskope. Dass man selbst dieser Stein gewordenen Hässlichkeit noch so etwas wie Poesie einhauchen kann, gehört zu den vielen Wundern des Festival of Lights.

Berlin Festival of Lights Potsdamer Platz

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Das Licht von Chongqing

Chongqing 021

An der Mündung der zwei Flüsse, nämlich des Yangtse und des Jialing, ist der einzige Ort in Chongqing, wo man gelegentlich auch andere Ausländer trifft. Denn zu den Mythen der touristischen Vermarktung von China gehört die Yangtse-Kreuzfahrt wie der Eiffelturm von Paris. Leider ist seit der Flutung im Zusammenhang mit dem Drei-Schluchten-Staudamm von der Schönheit der Strecke wenig geblieben. Vom ziemlich beklemmenden Wetter einmal abgesehen. Drei oder vier Tage auf einem chinesischen Schiff den Yangtse runter sollte man ohnehin nur in Erwägung ziehen, wenn man China grundsätzlich für ein schreckliches Land hält und also nur in seiner eigenen Meinung bestärkt werden möchte.

Wir buchen deshalb die Abendtour, auch wenn bei Tageslicht die Silhouette der Stadt ungefähr so attraktiv ist wie Bitterfeld im November 1978 und das Ticket überraschenderweise mehr kostet als ein Halbtagesausflug auf dem Rhein. Doch nachdem wir uns extra in die Gegend bemüht haben, um in der “Urban Planning Exhibition Hall” etwas über Stadtplanung in Chongqing zu lernen, schlagen wir anschließend ermattet zu. Die mit “Exhibition Hall” ziemlich großzügig beschriebene Anlage ist aus einem mysteriös bleibenden Grund als 4A-Touristenattraktion gelabelt, also als 1a-Touristenattraktion.

Leider befindet sich die Hälfte der Anlage unter Renovierung, und der Rest besteht aus Modellen davon, wie der Großstadtdschungel weiter gedüngt werden soll. In einem animierten Schaukasten kann man eine Ahnung davon haben, wie das Leben in der Bergstadt vor ein paar hundert Jahren mal aussah.

Chongqing 009Chongqing 016

Witzigerweise schleppen die Arbeiter dabei unter Tage schwere Säcke, während die Damen der feinen Gesellschaft sich in Rikschas herumkutschieren lassen. Als wir draußen sind, müssen wir uns entscheiden, ob wir von einer Horde schnaufender und schwitzender “Bang-Bangs” umgerannt oder von einer Flotte Mercedes der S-Klasse überfahren werden wollen.

Doch am Abend bewahrheitet sich mal wieder eine alte chinesische Weisheit, die da lautet, man muss die Sachen nur im richtigen Licht sehen. Und hokuspokus, verwandelt sich Chongqing bei Nacht in ein schillerndes, lebenssattes, gleißendes Paradies.

Chongqing 090

Chongqing 087

Das Boot ist bis zum letzten Stehplatz ausgebucht, obwohl zeitgleich ein halbes Dutzend Boote so groß wie deutsche Überseefrachter in See stechen. Interessanterweise handelt es sich dabei mitnichten um Touristen, schon gar keine aus dem Westen. Außer mir sind nur ein Franzose und seine frankochinesische Frau an Bord, die beide ein bisschen entsetzt aussehen an Anbetracht der emotionalen Ausbrüche an Bord. Es wird gejubelt, gelacht und mit den neuesten technischen Gadgets gefilmt (die Kulisse und dann sich selbst vor derselben, jeweils im Minutentakt), dazu Bier getrunken, Karten gespielt und natürlich geraucht. Die Stimmung ließe eingefleischte Karnevalsfans erblassen: Wenn der Chinese eine Arbeitspause einlegt, dann sieht Las Vegas im Vergleich dazu aus wie eine zahnlose Geisterstadt.

Chongqing 105

Doch egal was um sie herum passiert, diese Herrschaften spielen Karten, und zwar von der Sekunde, in der sie das Schiff betreten bis zu dem Moment, als das Personal am Ende die Plastikstühle ineinandersteckt und den Teppichboden mit Reisigbesen kehrt.

Chongqing 135

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