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Happy Halloween!

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Exkursion: Leipzig im Licht

Leipzig Altes Rathaus

Es ist merkwürdig, durch eine Stadt zu laufen, in der man nicht mehr zu Hause ist, die aber ganz und gar nicht fremd scheint. Eigentlich. Denn uneigentlich geht das Leben weiter in dieser Stadt, und als Gelegenheitsbesucherin ist man eben genau das. Und schaut auf dieses und auf jenes, auf die beleuchteten Fassaden und Schaufenster, auf die Radfahrer und die Fußgänger und ihre Einkaufstaschen, auf die Autos und die Straßenbahnen und die Menschen darin. Und dann fährt man eben wieder weg.

Leipzig ReichsstraßeLeipzig Grimmaische StraßeLeipzig Grimmaische StraßeLeipzig NikolaikirchhofLeipzig Grimmaische StraßeLeipzig GewandhausLeipzig Oper AugustusplatzLeipzig Augustusplatz

Inzwischen hat Leipzig sogar eine U-Bahn, die eigentlich eine S-Bahn ist, die durch einen Tunnel unter der Altstadt hindurch fährt. Viel verlacht für nur drei Stationen verbindet die jahrelang gebuddelte Strecke nun das Nahverkehrs-Schienennetz für die ganze mitteldeutsche Region. Jetzt sieht die Mittelstadt aus wie eine Großstadt – zumindest wenn man die neuen Bahnhöfe auf sich wirken lässt.

Leipzig S-Bahn Haltestelle MarktLeipzig S-Bahn Haltestelle Markt

In der Milchbar Pinguin habe ich früher oft Eis gegessen. Mit meiner Tante, die sich immer einen flambierten Eisbecher bringen ließ, dessen Namen ich vergessen habe, wahrscheinlich Pinguin. Mit Halbgefrorenem, was damals alle Erwachsenen toll fanden. Mein Lieblingseis war der Schwedenbecher: Mit Apfelmus. Inzwischen kann man in der Milchbar Pinguin Pizza essen, wie ich von der Tafel davor lerne. Frühstück gibt es auch. Von einer Milchbar kann also keine Rede mehr sein. Na ja. Eisbecher mit Apfelmus wäre heute auch nicht mehr unbedingt mein Favorit.

Leipzig Milchbar PinguinLeipzig Hauptbahnhof

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Exkursion: Zoo Leipzig

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Mindestens einmal im Jahr fahre ich mit dem Schlaubergerkind nach Leipzig in den Zoo. Aus gutem Grund, denn für mich ist es inzwischen einer der schönsten Zoos, die ich kenne. Nach dem Konzept “Zoo der Zukunft” wurde die Anlage in den letzten Jahren Schritt für Schritt umgebaut, zwar ist noch einiges zu tun, doch schon jetzt kann man hier einen sehr unterhaltsamen Tag unter Tieren verbringen. Verabschieden muss man sich allerdings von der Erwartung, immer und zu jeder Tageszeit Tiere zu Gesicht zu bekommen: Seit diese sich in ihren natürlichen Lebensräumen nachempfundenen Landschaften frei bewegen können, haben sie eben auch Gelegenheit zum Rückzug. Und die Zoogäste eben Pech.

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Der nicht eben günstige Eintrittspreis ist vollkommen gerechtfertigt, zumal der Zoo mehr bietet als einfach nur einen Rundgang. So werden regelmäßig Touren mit den Zoolotsen offeriert – kostenlos. An einer solchen nahmen wir auch teil und erfuhren nun auch, warum wir bei unseren Besuchen im Winter eigentlich immer “Sichtglück” hatten: Viele Gehege haben eine Art Fußbodenheizung an Stellen, die möglichst nah an speziellen Panoramafenstern liegen. So dass dann Tiger und Löwen auch bei Eis und Schnee den Weg nach draußen wagen.

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Mit Trick 17 arbeitet man auch im Pongoland, einer Forschungsanlage für Menschenaffen, die vom Max-Planck-Institut betrieben wird. Erforscht wird das Verhalten der Tiere, zum Beispiel, wie sie lernen, an Futter in verschlossenen Behältnissen heranzukommen und gleichzeitig die Herde zurückzudrängen, die ihnen dieses Futter am Ende streitig machen könnte. Für Zoogäste gibt es also viel zu entdecken – oft werden die Menschen auch selbst entdeckt, wenn es sich ein Orang Utan vor der Glasscheibe gemütlich macht, um die Besucher des Tages durchzuzählen.

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Schneezauberland Berlin

Es gibt ja bekanntlich Leute, die im Winter ziemlich viel Zeit damit verbringen, den Winter zu verfluchen. Dazu haben sie aktuell in Berlin viel Gelegenheit, denn hier liegt Schnee soweit das Auge reicht. Genau dem traute mein Besuch aus Hongkong kaum, als er am Samstag hier eintraf: Denn nicht nur, dass dort gerade 26 Grad sind (also sozusagen Winter nach dortigem Maßstab), nein, auf solche Schneemassen war mein Gast trotz meiner eindringlichen Warnungen vor drei Monaten nicht gefasst. “Es könnten 15 Grad sein oder es schneit.” Tja, es schneite. Und wie.

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Weil wir beide Hardcorereisende sind, ließen wir uns nicht beeindrucken von dem, was Meteorologen später als “Schneemengen wie sie nur alle 10-20 Jahre zu verzeichnen sind” zusammenfassten. Wir zogen durch Berlin: Und wurden mit absoluter Menschenleere belohnt. Was seinen besonderen Reiz hat, denn Besuch aus Hongkong will selten dahin, wo es der geneigte Berliner schön findet. Sondern dahin, wo alle anderen Hongkong-Residenten auf Berlin-Besuch vor ihm waren.

So begaben wir uns zum Checkpoint-Charlie, wo es im schneidenden Ostwind nicht mal die “orginal Currywurst”-Verkäufer mehr ausgehalten hatten. Auch der letzte Fake-Soldat hatte, mangels touristischen Publikums, sich zu McDonalds zurückgezogen. Als er seine Mütze abnahm, um gleich darauf herzhaft in einen Cheeseburger zu beißen, wurde mein Gast aus Hongkong etwas unsanft auf den Boden der massentouristischen Tatsachen geholt: In Hongkong hält sich nämlich bis heute die Mär, die Soldaten am Checkpoint Charlie seien echt und verteilten echte Stempel in die Pässe. Ähm. Ja.

Da ist es um so höher einzuschätzen, dass manche Illusion von vornherein nichts anderes sein will. Dazu gehören die Panoramen, die Yadegar Asisi seit einem Jahrzehnt in deutschen Städten aufbaut. Ich erinnere mich sehr gut an seine erste Arbeit zum Mount Everest im sogenannten “Panometer” in Leipzig, einem alten Gasometer der Stadtwerke, mit denen Asisis mehrere Jahre um die Umsetzung seiner Panoramavision rang. Jetzt also die Mauer, gesehen von Westberliner Seite. Es sei sein persönlichstes Werk, schreibt Yadegar Asisi, und das merkt man auch. Asisi ist der Sohn iranischer Eltern, der in Leipzig aufwuchs (was man übrigens sympathischerweise sehr deutlich hört), in Dresden studierte und später nach Westberlin ging. Eben hinter die Mauer, die er jetzt wiederauferstehen ließ mit einem neuen Panometer, direkt am Checkpoint Charlie. Weil sich jeder vernünftige Mensch an diesem Sonntagnachmittag mit einem Buch im Bett verkrochen hatte und die unvernünftigen schon im Zug in Richtung Heimat reisten, hatten wir die Mauer für uns fast ganz allein. Ein unglaubliches Erlebnis. Und bis hin zu den im Regen glitzernden Pfützen auf der Leinwand “echt”. Obwohl ich normalerweise für diese Art von Spektakel wenig übrig habe: Hingehen, staunen, sich bewegen lassen vom Augenblick.

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Mein Gast schrieb ins Gästebuch auf Mandarin den Wunsch nach Freiheit “spazieren zu gehen”, dass ist in Festlandchina das Codewort für eine spontane Versammlung. Und en Wunsch nach Freiheit für Liu Xiaobo.

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Die Hackeschen Höfe (für mich normalerweise der Inbegriff dessen, was mit Berlin nicht mehr stimmt) scheinen in der Hongkonger Reisecommunity auch sehr populär zu sein. An einem schneestürmischen Sonntagabend fingen sie sogar mich mit einem ungeahnten Zauber ein. Und die Sophienstraße im Schnee wirkt wie ein Traumbild aus Zeiten, als Mitte noch mehr war als ein gigantischer Flagship-Store. Mehr Schnee, möchte man rufen. Mehr Schnee.

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Ein Spaziergang durch die Sophie-Gips-Höfe klärte mich darüber auf, dass Frau Barcomis Backbucherfolg in der westdeutschen Provinz zum Ausbau der Berliner Sitzgelegenheiten geführt hat. Auch wenn die Fläche des Barcomi’s nun doppelt so groß ist, war an diesem Sonntagabend alles voll. (Das waren die Schneehasser, auf die leider kein Zug wartete. Oder die, die ihre angefrorenen Finger mal wieder enteisen mussten. Wir hatten uns ja schon im McD aufgewärmt.) Die spektakulär beleuchteten Gips-Höfe jedenfalls sind auch an eiskalten Nächten einen Abstecher wert.

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Ich wünsche mir nach dieser Woche jedenfalls, dass der Winter noch ein Weilchen bei uns bleibt.

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