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Berliner Sommer: Sonntagskonzerte

Berlin Fernsehturm Museumsinsel

Sonntags im Berliner Sommer kann man jede Menge erleben: Karaoke im Mauerpark oder Konzerte im Englischen Garten (im Tiergarten), Flohmärkte, so weit das Auge reicht … Ein schönes Zwischenspiel sollte man dabei nicht verpassen: Die Sonntagskonzerte am Bodemuseum (Blick auf den Fernsehturm inklusive), umsonst und draußen. Spenden erbeten, aber die gibt man sehr gern und reichlich bei solch einem Programm, wie es hier geboten wird.

Bodemuseum Berlin Museumsinsel Sonntagskonzerte Yxalag

An diesem Sonntag war das die Klezmerband Yxalag mit ihrem Mastermind Jakob Lakner, einem begnadeten Unterhalter, für den allein sich das Konzert schon gelohnt hätte.

Berlin Bodemuseum MuseumsinselAber Musik machen können sie auch, fand sogar die Deutsche Schallplattenkritik und nominierte ihr zweites Album „Fargint Zikh“ in der Kategorie „Grenzgänge“ für ihren Preis. Doch auch das dritte Album “Filfarbike Mishpoke” kann sich hören lassen – hier löst sich Yxalag endgültig vom klassischen Klezmer-Klang und experimentiert mit großer Spielfreude einmal quer durch den Garten der Weltmusik.

Beim Publikum vor dem Bodemuseum kam das jedenfalls schon in der Probe so gut an, dass schon eine Stunde vor Konzertbeginn kaum noch ein Stehplatz zu ergattern war.

Berlin Bodemuseum Museumsinsel Sonntagskonzerte

Was ein wenig auch am Wetter lag: Denn obwohl am Abend zuvor der Sturm noch durch Berlin wütete und tagsüber alles nach einem Regentag aussah, riss zum Abend der Himmel auf und bescherte der spontan herbeigeeilten Residenzberlinerin einen der schönsten Abende dieses Sommers. (Das kann man jetzt schon sagen.) Wer auch hierhin kommen will: Am nächsten Sonntag gibt es wieder ein Konzert, noch bis zum 23. August 2015. Nicht verpassen.

Berlin Bodemuseum Museumsinsel Sonntagskonzerte Yxalag

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Berliner Sommer: Vegetarisch für Anfänger

Dieser Sommer überrascht immer wieder. Standen heute die Wetterberichte unisono auf Dauerregen, wurde daraus ein heißer Sommertag mit Sonne satt. Weil der Berliner (und die Berlinerin) inzwischen offenbar mehr der App glaubt als dem eigenen Blick aus dem Fenster, waren wir am Morgen auf unserem Spaziergang von Kreuzberg nach Schöneberg quasi allein unterwegs. Von ein paar Touristen auf Kaffeesuche abgesehen. Wahrscheinlich gehören die zwei Espressobars in der Bergmannstraße, die um neun Uhr schon geöffnet hatten, Besitzern aus Sachsen-Anhalt. Auf dem Flohmarkt vor der Marheinekehalle jedenfalls begann man zehn nach neun erst mal, die Tischplatten vom Laster zu heben. Nur der Laden mit den Rauchwaren und den obligatorischen Berlin-Magneten hatte natürlich für die Gäste schon auf.

Berlin Kreuzberg Tante-Emma-LadenBerlin Kreuzberg SchaufensterBerlin Kreuzberg BlumenbeetBerlin KreuzbergBerlin Kreuzberg Grenze zu Schöneberg

Auch im Gleisdreieck teilten wir uns die Sonne bis zum frühen Nachmittag mit ein paar Nachwuchsmusikern am improvisierten “Bandstand” und zwei Hobbyeisenbahnern, die die Strecke für den Zug aus dem Technikmuseum absperrten. Irgendwann wurde es dann richtig voll, klar, umsonst & draußen. Skater, Jongleure, Radfahrer, Schlenderer und Frisbeewerfer – alle da. Auch die Promoter, die im Auftrag eines Telekommunikationsunternehmens, die eben diese Frisbeescheiben mit Werbung betackert unter die Menschen bringen sollten. Wir gehörten offenbar nicht zur Zielgruppe, denn die drei Hipster marschierten schnurstracks an uns vorbei. (Klar, Rotweintrinken im Park, da hat man wahrscheinlich nicht mal ein Handy. Den Rollator hatten wir im Gebüsch versteckt.)

Berlin Park Gleisdreieck Berlin Park Gleisdreieck Berlin Park Gleisdreieck Berlin Park Gleisdreieck

Um diesen faulen Sonnen-Sonntag zu krönen, spazierten wir noch zu unserem Lieblingsvietnamesen, mit rein vegetarischer Speisekarte – sehr lecker und in einer Gegend mit der wohl höchsten Yoga-Studio-Dichte Berlins eine Goldgrube auch mit sehr günstigen Preisen. (Gegen 16:30 war kaum ein Platz zu bekommen.) Die Gesundheitsapostelei überlässt man aber sympathischerweise der Kundschaft. Während die Köche draußen rauchten und den Kopf im Bierglas kühlten, holte sich die Bedienung mal rasch Pommes rot-weiß vom Türken nebenan.

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Berliner Sommer: Radio Eins Parkfest

Wen der Berliner “umsonst & draußen” hört, kann auch Zwölftonmusik erklingen: Er ist dabei, rain or shine. Kein Wunder also, dass das Radio Eins Parkfest im Park am Gleisdreieck nicht viel Werbung braucht – Kino, Lesungen, Konzerte und natürlich Radio live, für lau, welcher Berliner kann da widerstehen? Zumal wenn es Bier gibt. Und Glück. Für alle. In orange.

Berlin Parkfest Radio Eins

Das Gleisdreieck war mal genau das, was der Name sagt: Nämlich ein ziemlich hässlicher Wust aus Gleisen. Nachdem der Berliner das tat, was er am besten kann, nämlich protestieren, konnte der Park dann doch nach gefühlten zwei Jahrhunderten vollendet werden. Und er ist toll geworden. So toll, dass bei schönem Wetter trotz enormer Freiflächen mitunter das Grün auf der Wiese kaum zu sehen ist.

Berlin Park GleisdreieckBerlin Park GleisdreieckBerlin Park GleisdreieckBerlin Park GleisdreieckBerlin Park GleisdreieckBerlin Park Gleisdreieck

Deshalb lädt Radio Eins (Slogan: “Nur für Erwachsene”) jetzt jedes Jahr im Sommer zum Parkfest ein. Ein Event, das niemand verpassen sollte. Und niemand verpasst. Tout Schöneberg/ Kreuzberg vollzählig angetreten. Was mitunter gewisse Herausforderungen für die Veranstalter mit sich bringt. Denn anders als in Friedrichshain, Mitte oder Neukölln sind die Schöneberger doch eher verhalten in ihrer Euphorie. Understatement ist Pflicht. Weshalb Joe Hatchiban vom Mauerpark-Karaoke bei seinem Gastspiel wohl zum ersten Mal in seiner Karriere als Berliner Karaoke-Kaiser mit dem Umstand konfrontiert war, die Sänger/-innen nicht für Geld und gute Worte auf die Bühne zu bringen. (Im Mauerpark ist es umgekehrt: Die wollen nie wieder runter.) Am Ende blieb ihm nur, als Kindergärtner mit Mikrofon “The Voice Kids” nachzuspielen.

Berlin Gleisdreieck Parkfest Radio Eins 

Der Schöneberger staunt derweil etwas stumpf in sich hinein und bleibt einfach sitzen. Denn beim Parkfest kommt das neue Glück im Zweistundentakt.

Berlin Park Gleisdreieck Parkfest Radio Eins

Manchmal dauert es auch 20 Stunden. Doch das Warten lohnt, befinden die Herren im Bunde. Wenn die Hohepriester des Pennälerhumors aka Jan Böhmermann und Olli Schulz einladen, kommt Bewegung in die Berliner Low Key Mentalität. Es wird gedrängelt, geschubst und geboxt, um die Helden der Sendung “sanft & sorgfältig” zu sehen. “Frauen waren auch dabei”, vermeldete der Göttergatte hinterher triumphierend. Meine Meinung: Entweder haben sie ihren Typen gerade letzte Woche kennengelernt und machen noch alles mit oder sie kommen aus Straussberg und finden alles, was in Berlin so stattfindet, einfach “voll krass”.

Berlin Park Gleisdreieck Parkfest Radio Eins

Ich finde es höchstens voll krass, wie man zwei Stunden unstrukturiert, frei Schnauze und stetig abschweifend über all die Dinge reden kann, die einem bei “sanft & sorgfältig” so spontan in den Sinn kommen. (Mein Fazit nach zwei Stunden Zuhörens aus der Ferne: Es gibt Körperflüssigkeiten, von denen wahrscheinlich Dr. Sommer noch nie was gehört hat. Gut, dass an meinem Hörplatz auf der Wiese nicht alles so genau zu verfolgen war.) Vorgetragen von zwei mittelalten Männern, die so tun als seien sie 17, hat das offenbar so viel Überzeugungskraft, dass die Herren inzwischen jeden Sonntag deutschlandweit auf Sendung sind. Die gute Nachricht: Wer Hetero-Männer am Sonntag mal zwei Stunden sich selbst überlassen muss, hat mit Böhmermann & Schulz die perfekten Babysitter. Die schlechte: Man sollte selbst was anderes vorhaben. Koste es was es wolle.

Berlin Park Gleisdreieck Parkfest Radio Eins

Zumindest ihrem Publikum zugewandt sind sie: Nach der Show unterhielten sie sich noch fast eine Stunde mit ihren Fans am Zaun.

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