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Landpartie: Südwestkirchhof Stahnsdorf

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Wem am kommenden Wochenende die Hitze in Berlin zu viel werden sollte, kann sich auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf flüchten. Bis zu vier Grad Temperaturunterschied zur Stadt sollen hier gemessen werden. Der Friedhof zwischen Potsdam und Berlin gehört zu Brandenburg und ist erst kürzlich in die Schlagzeilen geraten, weil hier der Kopf von Friedrich Wilhelm Murnau vermisst gemeldet werden musste. Berühmt bis heute ist der Stummfilmregisseur unter anderem für seinen Film “Nosferatu – Symphonie des Grauens” von 1922.

Grab F.W. Murnau Berlin Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Geboren wurde er als Friedrich Wilhelm Plumpe, wie man an der Familiengruft erkennen kann – kein Wunder, dass er mit diesem Namen nicht ins Filmgeschäft einsteigen wollte. Wie Murnaus Kopf abhanden kam und was aus ihm wurde, ist von der Regenbogenpresse noch nicht aufgeklärt. Dass es sich bei diesem Ehrengrab des Landes Berlin nicht gerade um einen Hochsicherheitstrakt handelt, ist auf diesem Foto jedenfalls deutlich zu erkennen.

Berlin Brandenburg Grab F.W. Murnau Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Angelegt wurde der Friedhof Stahnsdorf einst als Waldfriedhof vor den Toren Berlins: Die explodierende Großstadt brauchte Platz für die Lebenden, weshalb man den Toten sogar eine eigene Bahnstation spendierte, um sie aus der Stadt auszuquartieren. Der Mauerbau knipste dem Bestattungswesen am Stadtrand jäh das Licht aus, denn plötzlich war Westberlin weiter weg von Stahnsdorf als der Mond. Und umgekehrt. Die Anlage verwilderte, auch wenn sie in bescheidenem Maße weiter für ihren Ursprungszweck genutzt wurde. Heute bemüht sich ein Förderverein um die Wiederbelebung, der vom Friedhof als “Grandhotel der internationalen Begräbnisstätten” schwärmt. Regelmäßig werden Führungen auf dem sehr weitläufigen Gelände angeboten.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Wie kommt man hin? Aus Berlin mit der S1 Richtung Wannsee bis Zehlendorf fahren und dort in den Bus 623 Richtung Stahnsdorf umsteigen. An der Bahnhofsstraße aussteigen und an der “Kunst am Bau” orientieren. Nach wenigen Minuten steht man drin im dichten Wald, der auch ein Friedhof ist.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Neben Murnau fand hier auch “Pinselheinrich” Heinrich Zille (Foto) seine letzte Ruhe, genau wie eine Reihe weiterer bekannter Persönlichkeiten. Die Mehrheit der Gräber gehört jedoch der protestantischen Hautevolee des Vorkriegsberlins. So finden sich Grabsteine von Flugzeugingenieuren, Tiermalern und Polizeipräsidenten – als deren Lebensverdienst dann auch gern mal die Mitgliedschaft in der NSdAP in Stein gehauen den Besucher grüßt.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Die jüngeren Gräber zeichnen sich vor allem durch ihre individuelle Note aus. Dieses Grab gehört zum Beispiel Jürgen Ulzen, der offensichtlich für seine Leidenschaft, das Sammeln von Glasperlenschmuck, ins Weltgedächtnis eingehen wollte.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Auch sonst gibt es hier einiges zu entdecken – festes Schuhwerk empfiehlt sich, da viele der Gräber und Monumente vom Wald überwachsen und manchmal nicht ganz einfach zugänglich sind.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Die norwegische Holzkirche im Jugendstil dient heute wieder als Trauerhalle. Wer sie von innen besichtigen will, sollte nicht am Ende der Woche kommen, denn während der dann zahlreich stattfindenden Trauerfeierlichkeiten ist sie den Angehörigen vorbehalten.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf norwegische HolzkircheBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf norwegische Holzkirche

Wer Besuch aus Schweden, Großbritannien oder Italien erwartet, kann seinen Gästen ein Stück Heimat zeigen und sich ins Gedächtnis rufen, dass ein geeintes Europa vor noch nicht allzu langer Zeit als eine Vision von Verrückten erschienen sein muss.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

Falls man genug hat von Krieg und Frieden, findet sich ganz in der Nähe eine Bank unter einem Baum, um sich in Ruhe den nadelbaumschwangeren Sommerwind um die Nase wehen zu lassen. Gestört wird man in Stahnsdorf von Menschen eher selten, sobald man sich von der Hauptallee wegbewegt. Denn noch ist der Friedhof ein Geheimtipp, nicht nur für Berlin-Touristen.

Berlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof StahnsdorfBerlin Brandenburg Friedhof Südwestkirchhof Stahnsdorf

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London: Highgate Cemetery

Seit ich ein Kind bin, gehe ich gern auf Friedhöfe. Das ist auch nicht verwunderlich bei einem Vater, der den Friedhof im jeweiligen Urlaubsort vor dem Lebensmittelgeschäft ausfindig gemacht hat und unter einem Stadtspaziergang einen Spaziergang auf dem Friedhof versteht.

Einen der schönsten Friedhöfe aus der Kategorie “verwunschen” ist der Highgate Cemetery West in London. Der Friedhof besteht aus zwei Teilen. Den neueren Teil, Highgate East, kann man gegen einen Obolus von 4 Pfund jederzeit besichtigen. Da der westliche Teil über 30 Jahre vor sich hinwitterte, bis Denkmalschutzenthusiasten ihn wieder zugänglich gemacht haben, ist das Betreten besonders bei schlechter Witterung nicht ungefährlich. Deshalb kann man ihn auch nur mit einer Führung besichtigen. Diese finden am Wochenende im Halbstundentakt statt, unter der Woche nur 13:45, wobei es sich empfiehlt, das Ticket vor online zu buchen, und zwar rechtzeitig: Die Nachfrage ist hoch. Das Ticket gilt dann auch für den östlichen Abschnitt – wo Karl Marx begraben liegt.

London Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate Cemetery

Auf der Tour erfährt man allerhand Unterhaltsames und Spannendes über die Menschen, die hier begraben liegen, aber vor allem über die Stadtgeschichte von London, über Moden und Geschäftsmodelle rund um Tod und Trauer sowie über Selbstdarstellung und Storifying in Zeiten vor Facebook und Twitter.

London Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate Cemetery

Die in Highgate als Mrs. Henry Wood begrabene Ellen Price zum Beispiel war eine zu ihrer Zeit sehr berühmte Schriftstellerin von Unterhaltungsliteratur, die offenbar von hoher Qualität war. Nicht nur, dass man ihre Bücher in mehrere Sprachen übersetzte, unter anderem ins Russische, Leo Tolstoy fand auch an einem ihrer Werke so viel Gefallen, um das Buch in einem Brief an seinen Bruder Sergej zu loben. Ihr beträchtliches Vermögen, das sie mit ihren Büchern verdiente, hat sie offenbar zum Teil in ihren Grabstein gesteckt: Denn der Stein ist nicht verwittert, im Gegensatz zu manch anderem auf dem Friedhof.

London Highgate Cemetery Mrs. Henry WoodLondon Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate Cemetery

Tom Sayer war ein legendärer Preisboxer, der seinen Nachruhm vor allem seinem letzten Kampf gegen den Amerikaner John Camel Heenan verdankte. Obwohl der Kampf im Chaos und einer Massenschlägerei endete, galt Sayer danach als Nationalheld. Als er einige Jahre später starb, wurde er von Tausenden auf seine letzte Reise begleitet. Sein Grabstein ziert sein Hund.

London Highgate Cemetery Tom Sayer

Die bekannteste Grabstätte auf dem Highgate Friedhof West ist sicherlich die des Physikers Michael Faraday, von dem Einstein ein Foto über seinem Schreibtisch hängen hatte: Neben einem Bild von Isaac Newton.

London Highgate Cemetery

Auch die Ostseite des Highgate Cemeterys ist für Friedhofsfreunde ein lohnendes Ziel. Neben originellen Grabsteinen und morbiden Klassikern kann man auch Karl Marx und seiner Patchworkfamilie einen Besuch abstatten.

London Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate Cemetery Karl Marx

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