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Berliner Augenblicke: Gärten der Welt

Berlin Gärten der Welt Orientalischer Garten

Ein schönes Ausflugsziel in Berlin sind die Gärten der Welt in Marzahn, auch nach mehrfachem Besuch immer wieder die Reise wert. Für den Preis eines Einzelfahrscheins und aktuell 5 Euro Eintritt kann man einen Kurztrip in den Orient erleben, in Japan die Kirschblüte und in Bali Hausgötter bestaunen – und in China auf einen Tee einkehren. Passend liegen die Gärten auch in der Nähe eines Shoppingtempels namens Eastgate in Berlin-Marzahn.

Berlin Marzahn Eastgate

Der chinesische Garten ist der größte seiner Art in Europa und wurde von chinesischen Gartenexperten geplant und angelegt. Das chinesische Teehaus auf der Anlage ist in chinesischem Besitz, bei Voranmeldung kann man eine chinesische Teezeremonie erleben. Ansonsten muss es die chinesische Instantnudelsuppe tun, die hier ebenfalls feilgeboten wird. Oder man nimmt sich ganz wie in China die eigene Thermoskanne mit. Das Ambiente jedenfalls lässt einen schnell vergessen, dass man sich immer noch in Berlin befindet.

Berlin Gärten der Welt Chinesischer GartenBerlin Gärten der Welt Chinesischer GartenBerlin Gärten der Welt Chinesischer GartenBerlin Gärten der Welt Chinesischer Garten

Der kleine balinesische Garten wird die Liebhaber tropischer Hitze entzücken. Passend zur Pflanzenwelt Balis handelt es sich dabei um ein geschlossenes Ensemble, in dem sich sowohl die Hausgötter als auch die Orchideen an ihrer gewohnten Temperatur erfreuen dürfen. Geöffnet nur in der Saison, die im April beginnt. Wochentags ab 12 Uhr, am Wochenende mit Beginn der Parköffnung 9 Uhr.

Berlin Gärten der Welt Bali GartenBerlin Gärten der Welt Bali Garten

Der japanische Garten stand am Ostermontag, dem Tag meines Besuchs, schon ganz in der Erwartung des Kirschblütenfestes. Jetzt ist die beste Zeit für alle, die sich an der rosa Pracht in den Gärten der Welt erfreuen wollen.

Berlin Gärten der Welt japansicher GartenBerlin Gärten der Welt japanischer GartenBerlin Gärten der Welt japanischer Garten

Die Gärten Asiens sind alle so angelegt, dass man viel über Kultur und Lebensweise des jeweiligen Landes erfährt, das gilt auch für den koreanischen Garten, der ein Geschenk der Stadt Seoul an Berlin war und von Experten aus Korea geplant und angelegt wurde.

Berlin Gärten der Welt koreanischer GartenBerlin Gärten der Welt koreanischer GartenBerlin Gärten der Welt koreanischer Garten

Der orientalische Garten, angelegt wie der Garten einer Moschee, vermittelt ein Gefühl dafür, wie Klima und Gartenbau miteinander korrespondieren.

Berlin Gärten der Welt orientalischer Garten

Der jüngste Zuwachs in der Gartenfamilie der Gärten der Welt ist ein christlicher Garten, der mit Zitaten aus der Bibel den klösterlichen Kreuzgang neu interpretiert. Ein passender Ort für einen Ostermontagsspaziergang.

Berlin Gärten der Welt christlicher GartenBerlin Gärten der Welt christlicher Garten

Da die Gärten der Welt inzwischen auch ein beliebtes Ziel für Reisegruppen sind, empfiehlt sich insbesondere am Wochenende, den Wecker etwas früher zu stellen, um einen unverstellten Blick auf die Gartenlandschaft genießen zu können. Wie im Britzer Garten kann man jedoch auch einfach zum Picknicken oder zum Sonnenbaden hierherkommen: Sitz- und Liegemöbel stehen in ausreichender Zahl zur Verfügung. (Nur war es dafür am Ostermontag noch zu kalt.)

Berlin Gärten der Welt

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Berlinale Goldener Bär 2014: Feuerwerk am hellichten Tage (VR China)

Gestern im Sommerkino „Feuerwerk am hellichten Tage“ von Diao Yinan gesehen, der in diesem Jahr den Goldenen Bären für den besten Film auf der Berlinale erhalten hat. Hauptdarsteller Liao Fan wurde für seine Leistung als bester Schauspieler geehrt. Der Film war der Überraschungsieger, denn die gesamte Kritik und auch die Zuschauer gingen davon aus, dass „Boyhood“ von Richard Linklater das Rennen macht.

Was, nachdem ich den chinesischen Film nun gesehen habe, auch die richtige Entscheidung gewesen wäre. Allein für das enorme finanzielle und künstlerische Risiko, einen Film über 12 Jahre zu drehen und einzukalkulieren, dass er niemals gezeigt werden kann am Ende, sei es weil einer der Darsteller vom Bus überfahren wird oder der Hauptdarsteller beim Erreichen der Volljährigkeit schlicht der Ausstrahlung widerspricht.

„Feuerwerk am hellichten Tag“ jedenfalls ist vor allem eines: Eine Enttäuschung. Das könnte natürlich auch am Hype liegen, der um diesen Film nach Gewinn des Preises gemacht wurde. Wobei China-Freund Kosslick sicherlich das Seinige dazu beigetragen hat. Die Einführung, die durch eine Berlinale-Mitarbeiterin im Freiluftkino Friedrichshain gestern gegeben wurde, spricht jedenfalls Bände. Länglich schwärmte sie von ihren Besuchen in China (die wahrscheinlich direkt in eine Hipster-Bar in Shanghai führten) und betonte, wie sehr man am Film die Zensur erkennen könne. Wobei man sich nach Ansicht des Films fragt, was sie wohl damit gemeint haben könnte. Denn von bedenklichen Arbeitsbedingungen über Trunkenheitsprobleme bei der Polizei über Glücksspiel über Verrohung der Gesellschaft über missliche Wohnbedingungen bis hin zu Willkür von Neureichen und von Behörden, Polizei und Staatsgewalt wird eigentlich alles überdeutlich gezeigt, was mit dem neuen China nicht stimmt. Aber was soll man auch von einer Chinareisenden und ihrem Urteil halten, die als Beispiel für Zensur nennt, dass der Film nach dem Gewinn des Goldenen Bären umgehend in die Kinos gebracht wurde und dafür andere Filme auf einen späteren Filmstart bzw. auf ungünstige Vorführzeiten abgedrängt wurden. Natürlich, in der vom kommunistischen Regime freien Kinowelt sieht man die Arthouse-Filme für gewöhnlich am Samstagabend im größten Kinosaal am Postdamer Platz, wohingegen Oscargewinner mit bekannten Darstellern sich schon mal hinten anstellen müssen …

Jedenfalls ist mir persönlich der Durchmarsch dieses Filmes auf der Berlinale unerklärlich. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Es ist ein guter Genre-Film, wer düstere Liebesthriller oder skurrile Detektivgeschichten mag, wird sich hier bestens unterhalten fühlen. Natürlich ist die Erzählweise stark auf ein chinesisches Publikum ausgerichtet, sprich, manches ist für deutsche Sehgewohnheiten doch sehr um die Ecke erzählt.

Das Problem ist eher, dass ich mich ständig gefühlt habe, als hätten sich Takeshi Kitano und Alexej Balabanov (Gott hab ihn selig) zusammengetan, um ein Remake-Mix aus ihren Filmen mit chinesischem Geld und chinesischen Schauspielern zu drehen. Ich frage mich wirklich, ob die Jury in diesem Jahr im Weltkino überhaupt schon mal irgendwas gesehen hat oder ob da einfach ein paar Leute kund tun wollten, dass sie China (oder was sie dafür halten) auch schon mal aus der Nähe gesehen haben. Und überhaupt ganz dolle kritisch sind in Sachen Reich der Mitte. (Aber T-Shirts für 5 Euro trotzdem kaufen, man kann ja nicht auf alles verzichten und so.)

Ansehen kann man sich den Film aber schon.

Trailer Hong Kong:

Trailer Deutschland:

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Ottenhausen – schönstes Dorf deutschlands

Dass ich die Chinesen liebe, habe ich glaube ich schon erwähnt. Auch in Ottenhausen liebt man die Chinesen, denn in China ist Ottenhausen weltberühmt. Und das ist ja besser, als wenn der Ort in Montenegro weltberühmt wäre, oder? Zumindest für die Touristenzahlen wirkt sich das offensichtlich sehr positiv aus. Wer nun denkt, Ottenhausen, noch nie gehört, dem sei dieses außerordentlich schöne Dorf in Westfalen, Landkreis Höxter, NRW, dringend ans Herz gelegt. Vor allem, wer einem ausländischen Gast den deutschen Themenkomplex “Heimat” näher bringen muss, ist in Ottenhausen am richtigen Ort.

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Mein Gast aus China, den ich bei ihrer Deutschlandreise unterstützte, hatte sich vorher im chinesischen Netz über Deutschland informiert. Die Suchbegriffkombination “schön Landschaft Deutschland” brachte sie zu: Ottenhausen. Und in der Tat, wer bei Westfalen nur an das viel verlachte Bielefeld denkt, dem sei die lange S-Bahn-Fahrt von Hannover Richtung Paderborn bis zur Station “Steinheim/Westf” sehr ans Herz gelegt. Von hier sind es nur noch drei Kilometer bis zum Ortseingang von Ottenhausen, dem “Bundesgolddorf” mit 587 Einwohnern, die sich in Heimatverein, Spielmannszug, Freiwilliger Feuerwehr, Schützenverein, Kolpingbund, Frauengemeinschaft und weiteren Vereinen engagieren.

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Motor hinter dem Dorfleben sind Menschen wie Heribert Gensicki, der schon vor 25 Jahren erkannt hat, dass das “Dorf in Deutschland zugrunde geht, weil alles in die Städte drängt.” Inzwischen haben er und seine Mitstreiter vom Heimatverein Ottenhausen die alten Dorfstraßen original wiederhergerichtet, ortsfremde Bepflanzungen durch westfälische Traditionsgewächse ausgetauscht, Fassaden und Plätze vom 70er Jahre Betonmuff befreit und sogar die alten Obstplantagen als Ortsbegrenzung wieder aufgeforstet. Jedes Jahr im Herbst findet das gemeinsame Apfelernten und –mosten statt. Die Erlöse aus dem lokalen Apfelsaft dienen der Arbeit im Dienst der Heimatpflege: Und zwar ganz ohne Deutschtümelei.

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Obwohl es im Ort kaum Jobs gibt und die meisten bis zu anderthalb Stunden zu ihren Arbeitsplätzen pendeln müssen, ist Leerstand in Ottenhausen so gut wie unbekannt. Damit das auch so bleibt, rührt man in Ottenhausen die mediale Werbetrommel mit großem Geschick. Bei unserer Ankunft steht die Lokalpresse schon bereit. Broschüren zum Ort gibt es auf Englisch und Chinesisch. Die Webseite wird laufend aktualisiert. Verantwortlich dafür ist der pensionierte Tischlermeister Franz-Josef Wiechers, geboren 1937 in Ottenhausen. “Wenn wir unser Dorf nicht bekannt machen, das tut das keiner.”

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Sagt der stolze Westfale und klopft auf das Holz der Theke, die er aus dem Dachstuhlgebälk der alten Bauernburg für das Festzimmer des Heimatmuseums selbst getischlert hat. Das Holz wurde übrigens um 1200 geschlagen, für das wissenschaftliche Holzgutachten haben die Mitglieder des Heimatvereins extra zusammengelegt.  

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Das Licht von Chongqing

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An der Mündung der zwei Flüsse, nämlich des Yangtse und des Jialing, ist der einzige Ort in Chongqing, wo man gelegentlich auch andere Ausländer trifft. Denn zu den Mythen der touristischen Vermarktung von China gehört die Yangtse-Kreuzfahrt wie der Eiffelturm von Paris. Leider ist seit der Flutung im Zusammenhang mit dem Drei-Schluchten-Staudamm von der Schönheit der Strecke wenig geblieben. Vom ziemlich beklemmenden Wetter einmal abgesehen. Drei oder vier Tage auf einem chinesischen Schiff den Yangtse runter sollte man ohnehin nur in Erwägung ziehen, wenn man China grundsätzlich für ein schreckliches Land hält und also nur in seiner eigenen Meinung bestärkt werden möchte.

Wir buchen deshalb die Abendtour, auch wenn bei Tageslicht die Silhouette der Stadt ungefähr so attraktiv ist wie Bitterfeld im November 1978 und das Ticket überraschenderweise mehr kostet als ein Halbtagesausflug auf dem Rhein. Doch nachdem wir uns extra in die Gegend bemüht haben, um in der “Urban Planning Exhibition Hall” etwas über Stadtplanung in Chongqing zu lernen, schlagen wir anschließend ermattet zu. Die mit “Exhibition Hall” ziemlich großzügig beschriebene Anlage ist aus einem mysteriös bleibenden Grund als 4A-Touristenattraktion gelabelt, also als 1a-Touristenattraktion.

Leider befindet sich die Hälfte der Anlage unter Renovierung, und der Rest besteht aus Modellen davon, wie der Großstadtdschungel weiter gedüngt werden soll. In einem animierten Schaukasten kann man eine Ahnung davon haben, wie das Leben in der Bergstadt vor ein paar hundert Jahren mal aussah.

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Witzigerweise schleppen die Arbeiter dabei unter Tage schwere Säcke, während die Damen der feinen Gesellschaft sich in Rikschas herumkutschieren lassen. Als wir draußen sind, müssen wir uns entscheiden, ob wir von einer Horde schnaufender und schwitzender “Bang-Bangs” umgerannt oder von einer Flotte Mercedes der S-Klasse überfahren werden wollen.

Doch am Abend bewahrheitet sich mal wieder eine alte chinesische Weisheit, die da lautet, man muss die Sachen nur im richtigen Licht sehen. Und hokuspokus, verwandelt sich Chongqing bei Nacht in ein schillerndes, lebenssattes, gleißendes Paradies.

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Das Boot ist bis zum letzten Stehplatz ausgebucht, obwohl zeitgleich ein halbes Dutzend Boote so groß wie deutsche Überseefrachter in See stechen. Interessanterweise handelt es sich dabei mitnichten um Touristen, schon gar keine aus dem Westen. Außer mir sind nur ein Franzose und seine frankochinesische Frau an Bord, die beide ein bisschen entsetzt aussehen an Anbetracht der emotionalen Ausbrüche an Bord. Es wird gejubelt, gelacht und mit den neuesten technischen Gadgets gefilmt (die Kulisse und dann sich selbst vor derselben, jeweils im Minutentakt), dazu Bier getrunken, Karten gespielt und natürlich geraucht. Die Stimmung ließe eingefleischte Karnevalsfans erblassen: Wenn der Chinese eine Arbeitspause einlegt, dann sieht Las Vegas im Vergleich dazu aus wie eine zahnlose Geisterstadt.

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Doch egal was um sie herum passiert, diese Herrschaften spielen Karten, und zwar von der Sekunde, in der sie das Schiff betreten bis zu dem Moment, als das Personal am Ende die Plastikstühle ineinandersteckt und den Teppichboden mit Reisigbesen kehrt.

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