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Landpartie: Von Tegel nach Lübars. Fast.

Berlin Tegel Waidmannslust Hermsdorf Frohnau

Wer das alte Westberlin erleben will, sollte sich nach Norden aufmachen. An der U-Bahn-Haltestelle Alt-Tegel ist die Insel-Welt noch voll in Ordnung: Partnerlook in beige und greige, dazu Florida-Eis, XXL-Schnitzel und Kleingartenidylle so weit das Auge reicht. Die Tegeler Seeterrassen könnten auch in Castrop-Rauxel stehen und nennen sich im Untertitel “Lakeside” – was sonst.

Berlin Alt-Tegel Greenwich PromenadeBerlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Moby Dick

Die Kompagnie in beige entert Moby Dick, wir genießen den Blick von der Greenwich Promenade auf den Tegeler See.

Berlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler SeeBerlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler SeeBerlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler See

Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen: Das ist der schönste Teil der Wanderung, den die BVG als “Grünes Band von Lübars nach Tegel” anpreist. (Wobei wir in umgekehrter Richtung wandern wollen.) Der Göttergatte hatte nämlich die Aufgabe übernommen, uns Neuland in Berlin zu erschließen. Keine schwere Aufgabe. Dem Urberliner ist ja jede Gegend außerhalb des Kiezes sprichwörtlich Neuland. Und die Residenzberlinerin hatte gerade den Individualisten-Jahresurlaub geplant und beschlossen, mit jeder Wanderung zufrieden zu sein. Tja. Fehler.

Berlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler See SechserbrückeBerlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler See Sechserbrücke

Bis zur Sechserbrücke schien noch alles in bester Wander-Ordnung. Blick aufs Wasser und auf Laubenpieper – was will man mehr an einem Samstagvormittag?

Berlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler SeeBerlin Alt-Tegel Greenwich Promenade Tegeler See Laubenkolonie

Leider hatte der Urberliner das gemacht, was Männer gern tun: Nämlich das Brett an der allerdünnsten Stelle gebohrt und sich die erstbeste Wanderung ausgesucht. Die versuchte zunächst noch tapfer, Substanz vorzutäuschen und führte uns zum ältesten Baum Berlins.

Berlin Alt-Tegel Tegeler See Dicke MarieBerlin Alt-Tegel Tegeler See Dicke Marie

Die Stieleiche namens Dicke Marie soll 800 Jahre alt sein. Doch nicht nur das: Auch Goethe soll diesen Baum bei seinem Berlin-Besuch 1778 bestaunt haben, wie ein Schild verrät.

Berlin Alt-Tegel Tegeler See Dicke Marie

Weiter geht es Richtung Tegeler Fließ. Mit etwas pompösen Wegweisern verkündet der Bezirk Reinickendorf, zu dem Tegel gehört, an jeder Ecke, wo Wanderweg x,y und z langführt. Einzelne Streckenabschnitte haben denn auch spektakuläre – weil für Berliner Augen unerwartete – Ansichten zu bieten.

Berlin Tegeler Fließ

Im Wesentlichen sieht der “Wanderweg” am Tegeler Fließ jedoch so aus.

Berlin Tegeler Fließ Stadtautobahn

Und kaum meint man, dem Lärm der Großstadt entronnen zu sein…

Berlin Tegeler FließBerlin Tegeler Fließ

… geht es schon wieder so weiter.

Berlin Tegeler Fließ Brücke

Immer wieder gibt es schöne Schlenker (die natürlich auch gleich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind). Das Problem ist jedoch, dass jeder dieser Abschnitte einzeln kürzer ist, als ein Dackel zum Morgen an Auslauf braucht.

Berlin Tegeler FließBerlin Tegeler Fließ

Kurz vor Waidmannslust brechen wir die Sache dann ab und erklimmen den Bus Richtung Frohnau. Das Grünwald von Berlin präsentiert sich als Residenz für den Westberliner Landadel – mit jeder Menge Villen ohne Namen an der Klingel und dem Flair einer Kleinstadt in Süddeutschland. Sauber geharkt. Frei von jedem Multikulti. Und die Apotheke schließt Samstag halb zwei.

Berlin Frohnau

Die noble Klientel hat jedoch auch Vorteile. Denn so kann sich ein italienisches Restaurant halten wie das Pantalone. Selbst im Prenzlauer Berg hätte ein Lokal mit diesem Preisniveau und dem Alltagsanspruch des Interieurs sicherlich seine Probleme. Den Frohnauer stört das natürlich nicht. Und auch wir reisen hochzufrieden ab: Qualität und Service im Pantalone sind sowohl die Anreise nach Frohnau als auch das Loch in der Ausflugskasse wert. Und die Sommerterrasse ist in jedem Falle eine Entschädigung für eine etwas sonderbare Wandertour. Zum Pantalone kommt man übrigens einfach per S-Bahn: Das Lokal liegt nur ein paar Schritte von der S1, Station Frohnau.

Berlin Frohnau PantaloneBerlin Frohnau Pantalone

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Welterbe Naumburg: Zweiter Anlauf Paris 2017

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Naumburg modifiziert seinen Welterbeantrag bis Januar 2016 und versucht in einem zweiten Anlauf, den Naumburger Dom und die Denkmal-Landschaft an Saale und Unstrut bei der Tagung UNESCO-Welterbe-Kommission in Paris 2017 auf die Welterbeliste setzen zu lassen.

Die Sitzung des Gremiums in Bonn vor wenigen Tagen hatte den vom Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut entworfenen Antrag zur Überarbeitung an diesen zurückgegeben. Das werteten die am Antrag beteiligten als Teilerfolg – denn zuvor hatten die Gutachter des Internationalen Rates für Denkmalpflege ICOMOS das Naumburger Konzept als „zu intellektuell“ verrissen und der Kommission klipp und klar die Ablehnung des Antrags empfohlen.

Die Naumburger ließen sich davon nicht beirren und zogen ihren Antrag entgegen aller Warnungen nicht zurück. Jetzt wurden sie belohnt: ICOMOS ruderte nach dem Votum der Kommission zurück und sagte seine Unterstützung bei der Überarbeitung des Antrags zu. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt zeigte sich vorbereitet und sagte umgehend finanzielle Unterstützung für die nächste Antragsrunde zu.

Wer wissen will, warum Naumburg Welterbe werden will, dem sei schon jetzt eine Landpartie dahin empfohlen. Und für Weinfreunde ist die Gegend ohnehin ein Muss.

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Landpartie: Naumburg und seine Berühmtheiten

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Jede Stadt hat ihre Berühmtheiten. Die werden dann bei Wikipedia unter “Söhne und Töchter” aufgelistet, sofern sie da geboren sind. Ursula Römer steht da noch nicht, dabei ist sie die Nachfahrin der Steinbrück-Bürstenmacherei-Dynastie und steht noch heute mit Mitte 70 in dem Laden, den ihre Vorfahren 1885 schon an genau dieser Stelle hatten. (Das Unternehmen selbst ist noch ein paar Jahre älter.)

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Kaufen kann man hier Bürsten, Besen und Staubwedel aller Art – Ursula Römer stellt die meisten davon noch von Hand her in ihrer Werkstatt, einem Tisch mitten im Laden.

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Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe mich mit Handfeger und Besen eingedeckt. Echte Handarbeit muss man einfach kaufen. Das dachte sich wohl auch ein Hipster-Paar aus Berlin, das einen Teppichklopfer im Schaufenster erspähte und nach diversen Teppichklopfer-Testereien (es gibt da große Unterschiede!) mit dem Schaufenster-Teppichklopfer von dannen zog. (Dass man für einen Teppichklopfer eine Teppichstange braucht, werden sie schon noch rausfinden.)

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Natürlich war Martin Luther auch mal hier, und zwar drei Tage lang, wie eine Tafel am Markt verkündet. Ein paar Tage länger hielt es Friedrich Nietzsche hier aus, wenngleich nur auf Urlaub bei seiner Mutter, aber egal. Weshalb die Naumburger Stadtväter neben der Tafel auch gleich noch ein Denkmal spendierten. Frau schaut bewundernd auf zum Genie, alles klar.

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Ob man im Ratskeller gut speist, kann ich mangels Erfahrung nicht sagen. Auf jeden Fall schmeckt das Fischbrötchen, das auf dem Marktplatz verkauft wird. Und auch die Fleischer von Naumburg erreichen ein Niveau, das in Berlin wahrscheinlich schon unter gehobener Küche laufen würde. Eine Stadt, in der man gern isst und dafür auch Geld auszugeben bereit ist – noch ein Grund mehr für einen Ausflug nach Naumburg.

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Die historische Altstadt ist ein Paradies für Flaneure. Überall gibt es witzige Details zu sehen. Dass die Stadt so gut saniert ist, verdankt sie auch dem Engagement ihrer Bürger. Bei der Aktion “Dieses Haus will leben” wurden fast verfallene Häuser an Interessierte zum Symbolpreis abgegeben: Mit der Auflage, die Häuser für Kultur und Tourismus zu nutzen. So entstanden eine ganze Reihe hübscher Pensionen – doch hier heißt es rechtzeitig buchen, denn Naumburg ist in der Regel schon Wochen vorher ausgebucht.

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Zum Vorschein kamen bei den Sanierungsarbeiten auch die alten Zunftzeichen und Reliefs, die in Naumburg einst die Hausnummern darstellten.

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Andere, wie diese Buchdruckerei, haben die alte Tradition fortgesetzt und eine Mischform als ihr Markenzeichen etabliert.

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Die Reise nach Naumburg ins Saale-Unstrut-Tal war für mich eine Offenbarung: Hierher komme ich ganz bestimmt sehr bald noch einmal.

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