Archiv der Kategorie: London

London: The Book Of Mormon

Auch wenn Musical, vor allem das kommerziell vermarktete, sonst nicht unbedingt zu meinem bevorzugten Theatergenre zählt, gehören London und Musical einfach zusammen. Deshalb befragte ich im Vorfeld die Experten in meinem Freundeskreis und wählte für die Reisegesellschaft einen Klassiker: Das Phantom der Oper. Die Reisegruppe war begeistert und produziert mir seitdem täglich neue Ohrwürmer.

Meine Freundin S. besorgte dann noch für uns beide Tickets zum aktuellen Londoner Theaterhit: The Book of Mormon, auf Monate hin ausverkauft.

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Aus gutem Grund. Die ursprünglich für den Broadway produzierte Show ist nicht umsonst mit 9 Tony Awards (dem Oscar des New Yorker Broadways) ausgezeichnet worden. Klassische Musical-Revuenummern und Melodien zum Mitsingen kombiniert mit bitterböser Satire, Slapstick Comedy und humanistischem Tiefgang.

Für Menschen, die in Sachen Religion empfindlich sind, ist The Book of Mormon auf keinen Fall geeignet – selbst meine liberale Seele zuckte gelegentlich zusammen, wie über das Christentum allgemein und die Mormonen im Besonderen vom Leder gezogen wurde. Dass die Mormonen die Aufführungen in New York nicht gestürmt haben, kann man nur als Beweis dafür sehen, dass sie so schlimm nicht sein können, wie im Musical beschrieben.

Dennoch sehr lustig und als Musical uneingeschränkt zu empfehlen – auch für Menschen, die sich für Cats & Co. nicht interessieren. Ja, das würde ich mir noch mal anschauen. Und die Chancen stehen gut. Ich bin mir sicher, das läuft noch ein paar Jahre. London, ich komme wieder.

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London: Science Museum

Weil wir das Museum of Natural History schon gesehen haben und die Schlangen dort einfach nicht kompatibel sind mit einem dicht gefüllten Programm, entscheidet sich das Kind fürs Science Museum. Meine Erwartungen an ein Museum, das der Wissenschaft gewidmet ist, hängen eher tief. Technik und Wissenschaft gehört zwar zu meinem täglich Brot, aber im Museum?

London Science Museum

Aber Reisen mit Kind sind ja auch dazu da, den eigenen Horizont zu erweitern: Denn das Science Museum ist, um es in den Worten des Fastteenies zu sagen, richtig cool. Nicht nur Kinder können hier mit Wissenschaft im wahrsten Sinne des Wortes auf Tuchfühlung gehen: Touchscreen lautet das Motto, passend für die Generation Smartphone.

London Science Museum

Ganz auf den Erfahrungshorizont zugeschnitten ist auch die Ausstellung zum Klimawandel. Mit Strategiespielen lernen die Kinder zum Beispiel, wie sich Regionen ökonomisch sinnvoll gegen Hochwasser rüsten können – und wie schwierig es ist, dabei Risiko und Budget miteinander in Einklang zu bringen.

London Science MuseumLondon Science MuseumLondon Science Museum

In der Abteilung “Who am I?” ging es dann um angewandte Wissenschaft. Wie werde ich in 50 Jahren aussehen? Welche Merkmale vererben sich von Eltern auf Kinder und welche nicht? Wie kann ein Wissenschaftler Verhalten kategorisieren? Die einzelnen Wissenschaftsstationen gibt es für kleinere Kinder und junge Jugendliche in getrennten Bereichen.

London Science MuseumLondon Science MuseumLondon Science Museum

Die “klassischen” Ausstellungsstücke eines Technikmuseums von Dampflok bis Raumschiff gibt es natürlich auch zu sehen.

London Science Museum

Insgesamt sollte man mindestens drei Stunden Zeit mitbringen, um die wesentlichen Ausstellungen zu sehen. Der Eintritt ins Museum ist kostenlos mit der Bitte um Spenden. Für Extras wie Flugsimulator oder 4D-Museum braucht man ein Ticket. Diese werden für eine bestimmte Uhrzeit ausgegeben, es kann also sinnvoll sein, das vor Beginn der allgemeinen Tour zu kaufen, um dann nicht in der Warteschleife stecken zu bleiben.

Tipp: Im dritten Stock gibt es einen freien Picknick-Bereich, so dass man nicht unbedingt das Museumscafé in Anspruch nehmen muss, so man sich Snacks und Getränke mitgebracht hat.

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London: Highgate Cemetery

Seit ich ein Kind bin, gehe ich gern auf Friedhöfe. Das ist auch nicht verwunderlich bei einem Vater, der den Friedhof im jeweiligen Urlaubsort vor dem Lebensmittelgeschäft ausfindig gemacht hat und unter einem Stadtspaziergang einen Spaziergang auf dem Friedhof versteht.

Einen der schönsten Friedhöfe aus der Kategorie “verwunschen” ist der Highgate Cemetery West in London. Der Friedhof besteht aus zwei Teilen. Den neueren Teil, Highgate East, kann man gegen einen Obolus von 4 Pfund jederzeit besichtigen. Da der westliche Teil über 30 Jahre vor sich hinwitterte, bis Denkmalschutzenthusiasten ihn wieder zugänglich gemacht haben, ist das Betreten besonders bei schlechter Witterung nicht ungefährlich. Deshalb kann man ihn auch nur mit einer Führung besichtigen. Diese finden am Wochenende im Halbstundentakt statt, unter der Woche nur 13:45, wobei es sich empfiehlt, das Ticket vor online zu buchen, und zwar rechtzeitig: Die Nachfrage ist hoch. Das Ticket gilt dann auch für den östlichen Abschnitt – wo Karl Marx begraben liegt.

London Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate Cemetery

Auf der Tour erfährt man allerhand Unterhaltsames und Spannendes über die Menschen, die hier begraben liegen, aber vor allem über die Stadtgeschichte von London, über Moden und Geschäftsmodelle rund um Tod und Trauer sowie über Selbstdarstellung und Storifying in Zeiten vor Facebook und Twitter.

London Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate CemeteryLondon Highgate Cemetery

Die in Highgate als Mrs. Henry Wood begrabene Ellen Price zum Beispiel war eine zu ihrer Zeit sehr berühmte Schriftstellerin von Unterhaltungsliteratur, die offenbar von hoher Qualität war. Nicht nur, dass man ihre Bücher in mehrere Sprachen übersetzte, unter anderem ins Russische, Leo Tolstoy fand auch an einem ihrer Werke so viel Gefallen, um das Buch in einem Brief an seinen Bruder Sergej zu loben. Ihr beträchtliches Vermögen, das sie mit ihren Büchern verdiente, hat sie offenbar zum Teil in ihren Grabstein gesteckt: Denn der Stein ist nicht verwittert, im Gegensatz zu manch anderem auf dem Friedhof.

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Tom Sayer war ein legendärer Preisboxer, der seinen Nachruhm vor allem seinem letzten Kampf gegen den Amerikaner John Camel Heenan verdankte. Obwohl der Kampf im Chaos und einer Massenschlägerei endete, galt Sayer danach als Nationalheld. Als er einige Jahre später starb, wurde er von Tausenden auf seine letzte Reise begleitet. Sein Grabstein ziert sein Hund.

London Highgate Cemetery Tom Sayer

Die bekannteste Grabstätte auf dem Highgate Friedhof West ist sicherlich die des Physikers Michael Faraday, von dem Einstein ein Foto über seinem Schreibtisch hängen hatte: Neben einem Bild von Isaac Newton.

London Highgate Cemetery

Auch die Ostseite des Highgate Cemeterys ist für Friedhofsfreunde ein lohnendes Ziel. Neben originellen Grabsteinen und morbiden Klassikern kann man auch Karl Marx und seiner Patchworkfamilie einen Besuch abstatten.

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London: China Town

Jetzt kann ich zu Hause erzählen, ich war in China. Das meinte meine Mutter, als wir die ersten Vorboten von China Town entdeckt hatten.

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Das Viertel rund um die Gerrard Street wird aggressiv vermarket – offenbar auch in der alten Heimat, denn die Dichte der chinesischen Reisegruppen ist schier unglaublich. Und auch der Eifer, mit der sie vor den Restaurants auf ihre Takeaways warten. (Als hätten sie jahrelang kein chinesisches Essen gesehen.) Denn drinnen – Londoner Platzverhältnisse – ist schlicht nicht genug Raum, um alle Gruppen unterzubringen.

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Damit die Hipster diesem Touristenspektakel noch was abgewinnen können, haben sich die Geschäftsleute hier einen neuen Trend einfallen lassen: Nämlich Cocktail-Bars. Und weil da nicht jeder Hans und Franz reinspazieren soll, um das schöne Hipster-Erlebnis zum chinesischen Ballermann zu machen, ist der Zutritt ganz exklusiv. Die Adressen lauten dann zum Beispiel “Jadetür in der Gerrard Street”, und dass die unscheinbare Haustür neben einem Restaurant woanders hin als in die Lager desselben führen, ahnt man nur daran, dass ein chinesischer “Man in Black” mit Headset am Eingang steht.

Meine Freundin S. und ich haben die Bar Opium probiert, die sich im Stil “Shanghai der 30er Jahre” präsentiert. Nach einem steilen Aufstieg erlebt man eine Cocktailstunde der Extra-Klasse. (Geldbeutel auffüllen vorher.)

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