Archiv der Kategorie: Netzwelt

Jesus an den Fleischtöpfen

Weil es der WDR ist, dem dieses „Kunstwerk“ zuteil wurde, poste ich diesen Netz-Fund trotz Facebook. Auch weil es zeigt, dass Weihnachten manche Menschen ganz offenbar in den Wahnsinn treibt. Eine Weihnachtskrippe aus Fleisch- und Wurstwaren. Jesus. In der Aluwanne. Herr, vergib Ihnen… (Es schmeckt wahrscheinlich ohnehin widerlich.)

Wir lernen: Die Katholiken haben Humor.

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Ich werte, also bin ich

Ich gebe zu, ich bin ein großer Fan von Bewertungsportalen aller Art. Kein Bleistift kommt mir ins Haus, ohne dass ich nicht wenigstens versucht habe, irgendwo im Netz eine „Kundenmeinung“ dazu aufzutun. Was meine ohnehin vergleichsweise sparsam entwickelten Shopping-Ambitionen zudem im Zaume hält: Denn vor dem Lustkauf dieses sicherlich sehr nützlichen Elektrokleinteils im Angebot steht die Recherche. Und da ich mit meinem Telefon nicht mal telefonieren kann, wie man weiß, geht das nur old school, also zu Hause. Wo ich folgerichtig mit leeren Taschen ankomme. Und mit vollem Portemonnaie.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich dann doch einmal gekaufte Dinge auch stets bewerte: Wahlweise euphorisch (wenn sie funktionieren wie erwartet) oder vernichtend (wenn meine schöne Recherche für die Katz war.) Genauso verfahre ich mit Dienstleistern aller Art. Wenn sich der Weg zum mühsam ermittelten besten Döner Berlins gelohnt hat, gibt es volle Punktzahl. Wenn der Arzt, den ich nach Zufallsprinzip ausgesucht habe, mir nicht das Ohr abschneidet aus Versehen, auch. Die Abstufungen dazwischen sind klar definiert: Drei von fünf Punkten heißt bei mir: Ok für manche, aber für mich lieber nicht noch mal.

Nun gibt es Zeitgenossen, die vorgehen wie der von allen gehasste Physiklehrer in der Schule, der auch dem Klassenbesten eine Zwei gibt, „damit noch Luft nach oben ist“. (Und sich wahrscheinlich zu Hause einen Ast abfreut, wie pädagogisch clever er doch wieder ist.) Da wird ein Buch über den grünen Klee gelobt, man habe sich sehr amüsiert und könne das Buch durchweg empfehlen: Drei Punkte von fünf. Oder ein Fotostudio wird gepriesen für die tollen Fotos, die nette Betreuung, das kostenlose Foto als Zugabe: Vier Punkte. Natürlich kann man sagen, wurscht, der Text steht doch da. Aber leider schreit einen ja immer erst mal ein Durchschnittswert an. Und wer hat schon Zeit und Lust, alle 133 Bewertungen zu einem Angebot auf Divergenz von Inhalt und Wertung hin zu prüfen? Wenn ich nicht gerade das Hotel für meine Flitterwochen buchen will, interessiert mich das eher nicht.

Was treibt also Menschen dazu, einen Imbiss, in dem sie gerade den besten Döner der Stadt verputzen, noch während des Mampfens per smartphone (haha) dafür zu kritisieren, dass man da nicht schön sitzt, wenn man mit Freunden mal abhängen will? Oder die an einem Sternelokal nicht die Küche, sondern die Preise kritisieren. Oder manchmal nicht mal das, sondern einfach so drei Sterne hinhauen, weil „für jeden Tag ist das nichts“?

Noch undurchsichtiger sind allerdings die Kollegen (ja, es sind eigentlich immer Männer), die in Onlinewarenhäusern bei der Produktbewertung ausschließlich Liefertempo und Verpackungsqualität des Versenders analysieren. „Zu diesem Staubsauger kann ich nichts sagen, denn ich habe ihn gerade ausgepackt. Die Verpackung war super wie immer, und das Paket kam sehr schnell. Leider war ich erstmal nicht zu Hause und musste dann noch mal zur Post.“ (Was – logisch – zu mindestens zwei Punkten Abzug für den Staubsauger führt.) Sehr lustig fand ich neulich auch die Mädchenclique, die sich über ein Restaurant beschwerte, es stelle auf der Webseite Brunchbestandteile dar, die es dann doch nicht gegeben hat. „Nicht dass wir nichts Leckeres gefunden haben, aber wir haben uns auf xy gefreut.“

Lieber Herrgott, mach dass ich im nächsten Leben nicht als Dienstleister wiederkomme.

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Surfen mit Filter

Das Internet bietet vielerlei Gelegenheit, sein Leben zwischen Bits, Bites und Backrezepten zu vertändeln.

Wer gern gut informiert ist über das Weltgeschehen und keine Lust hat, sich auf Dutzenden Zeitungs- und Magazinseiten die immergleichen Agenturmeldungen zu Gemüte zu führen, dem helfen Seiten wie Commentarist, wo tagesaktuelle Kommentare und Kolumnen zu aktuellen Nachrichten gesammelt und nach Themen, Autoren und Medium sortiert zu durchsurfen sind. Man kann den Lieblingsjournalisten auch abonnieren. (Was bei humorigen und also nicht regelmäßig erscheinenden Kolumnen ja ein schöner Fang im Tagesnetz sein kann.)

Falls man die einschlägigen Tummelplätze der Edelfedern als zu großformatig für die U-Bahn-Fahrt aussortiert hat, der Perlentaucher fasst alles schön zum Überfliegen (oder Schnelltauchen) zusammen. Und so wird man doch noch klüger mit dem Netz, wenn es schon mit den exklusiven Backrezepten in der Praxis nix wird.

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Am Telefon mit Gaddafi

Über meinen Mobilfunkanbieter habe ich mich bereits ausführlich ausgelassen. Leider scheine ich in der Wahl meiner Telekommunikationsanbieter grundlegend etwas falsch zu machen. Denn nicht nur, dass ich die gesamte letzte Woche mobilfunktechnisch praktisch von der Außenwelt abgeschnitten war (sieht man von der Möglichkeit ab, bei Minusgraden mit dem Handy auf den Balkon zu gehen), nein, auch mein Festnetzanbieter lässt sich einiges einfallen, um mein Leben, äh, ereignisreicher zu machen. In dieser Woche konnte ich Nummer a nicht benutzen, weil, wie übrigens schon seit Wochen, ein feines Grundrauschen dem Gespräch unterliegt, das gelegentlich – aber eigentlich selten – die Sprechgeräusche am anderen Ende der Leitung übertönt. Außenstehende behaupten hartnäckig, davon Kopfschmerzen zu bekommen, aber hey, man gewöhnt sich an alles, ruft mich doch einfach öfter mal an. Aber bitte nicht auf Nummer b, denn da hört ihr nur den Satz: “Diese Nummer ist nicht vergeben.” Tja. Wahrscheinlich sollte man da mal anrufen, haha.

Doch wahrscheinlich ist die Service-Hotline gerade eh überlastet, weil so viele Kunden Abstand von dem ihnen zuteil werdenden, ohnehin nicht sonderlich zuverlässigen Service nehmen wollen. Denn irgendwann stellt sich die Frage: Was in aller Welt können die überhaupt. Diese Firma hat sich nämlich in Deutschland mit einer langbeinigen blonden Dame als “Gesicht der Firma” etabliert, die sinnigerweise in der Öffentlichkeit den Namen des Telefonanbieters führt. Da sieht man mal, was dabei rauskommt, wenn man wie die Brigitte auf “ganz normale Frauen” als Models setzt anstatt auf Profis. Die Dame ist nämlich nicht nur ziemlich blond, sondern wusste ihre Reize offenbar auch dem Gaddafi-Clan anzudienen. Nachdem dieser samt Fast-Schwiegerpapa nun auf das Unangenehmste ins Licht der Öffentlichkeit gelangte, hielt man es bei ihrem Arbeitgeber nicht vonnöten, ihr einen PR-Profi zur Seite zu stellen. Also plauderte die Dame munter in bunten Blättchen aus dem schwiegerfamiliären Nähkästchen, Gaddafi war doch eigentlich ganz nett am Frühstückstisch und so weiter. Arbeitgeber fordert daraufhin öffentliche Entschuldigung – was an sich ja schon hanebüchen ist, weil der geneigte Kunde da schon längst mehr weiß, als er je wissen wollte. Nämlich dass sein Telefonanbieter nicht nur von Telekommunikation, sondern auch von anderweitiger Kommunikation ziemlich wenig Ahnung hat. Was egal wäre, wenn es mit Punkt Eins klappen würde, nämlich einer funktionierenden Telefonleitung für Otto Normalkunde zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber leider hört man dazu am anderen Ende der Service-Hotline dann zum gefühlt 300. Mal: “Das muss an Ihrem Router liegen. Wir haben da aber gerade ein Angebot…”

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