Landpartie: Naumburg und das Welterbe

Manchmal haben Lokalmedien ein etwas größeres Einzugsgebiet. Deshalb führte mich im März eine Reise ins schöne Naumburg und die Region ringsherum. Hier, auf dem 51. Breitengrad, an Saale und Unstrut, wird seit über 1000 Jahren Wein angebaut. Das Gebiet reicht bis nach Werder – was zu Brandenburg gehört. So hat rbb kulturradio genug Sendeanlass – und ich einen neuen Tipp für ein schönes Ausflugsziel in Deutschland.

NaumburgNaumburg

Wobei der Ausflug ruhig von vornherein etwas länger geplant werden darf, denn wie man auf diesen Fotos bereits erahnen kann, ist es wirklich sehr schön da.

Andreas Messerli Naumburger Straßenbahn

Das fand vor ein paar Jahren auch Andreas Messerli aus Bern. Weil er aus Naumburg gar nicht mehr wegwollte, heuerte er bei der Straßenbahn an. Heute ist er Geschäftsführer der Naumburger Straßenbahn. Die fährt seit acht Jahren wieder täglich, nachdem sie die Naumburgerinnen und Naumburger durch ehrenamtliches Engagement und ziemlich viele Geldspenden über den Sparbetrieb der Nachwendejahre gerettet hatten.

Naumburger StraßenbahnNaumburger StraßenbahnNaumburger Straßenbahn

Das Straßenbahn-Depot ist eine eigene Reise wert: Jeden Samstag um 14 Uhr kann es für 2 Euro besichtigt werden. Wer aus dem Osten kommt, wird sich noch erinnern, denn diese Bahnen fuhren noch bis in die achtziger Jahre. In Naumburg kann man damit heute vom Hauptbahnhof direkt ins Stadtzentrum rollen. Nostalgie gibt es gratis wie auch freundliche Worte vom Fahrer – Berlinerinnen und Berliner, nein, in der Naumburger Straßenbahn ist keine versteckte Kamera im Einsatz. Die Leute sind hier so.

Naumburger Straßenbahn

Zügigen Schrittes ging es zum Naumburger Dom, der das Herzstück des Antrags auf den Welterbe-Titel bei der UNESCO darstellt, wie mir Dr. Holger Kunde, Direktor und Stiftskustos der Vereinigten Domstifter erklärte.

Dr. Holger Kunde Naumburger Dom

Der Wälzer ist der Antrag, den Dr. Kunde wesentlich mitgeprägt hat. Im Kern geht es dabei um das Herrschaftsgebiet an Saale und Unstrut, in dem sich Adel, Bürgertum und Kirche einen Bauwettstreit lieferte. Bekam das Kloster auf dem einen Hügel einen neuen Kirchturm, rüstete der Burgherr auf dem Hügel nebenan mit drei Türmen nach. Und spendierte der Bischof dem Naumburger Dom einen Topf Farbe, rollten vorm Rathaus die Kutschen mit Ziegeln vor.

Naumburger Dom

Das brachte Strukturen von Landschaft und Architektur auf engstem Raum hervor, wie es sie in dieser Form woanders nicht gibt. Grund genug, bei der UNESCO anzuklopfen. Wenngleich die für solche übergreifenden Konzepte in der Vergangenheit nicht unbedingt etwas übrig hatte. Egal, entschieden wird Anfang Juli, aber auch ohne Welterbetitel sollte man sich Naumburg nicht entgehen lassen.

Naumburger DomNaumburger Dom

Schon um die Arbeiten des Naumburger Meisters zu sehen, die in ihrem Ausdruck und ihrer Modernität auch dem Gelegenheitskunstfreund etwas mitzuteilen haben.

Naumburger DomNaumburger DomNaumburger Dom

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Ein Gedanke zu „Landpartie: Naumburg und das Welterbe

  1. […] modifiziert seinen Welterbeantrag bis Januar 2016 und versucht in einem zweiten Anlauf, den Naumburger Dom und die Denkmal-Landschaft […]

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