Berlinale: Rückblick auf Tage im Rausch

Berlinale Bär Potsdamer Platz

Die 65. Berlinale ist Geschichte, die Stadt ist zur Normalität zurückgekehrt: Und ich auch. Wie in jedem Jahr habe ich die 10 Tage in vollen Zügen genossen: Im Gegensatz zu den meisten meiner Mitmenschen kann ich dem Berliner Filmfest eine ganze Menge abgewinnen, und zwar nicht, weil ein paar Menschen mit dem Titel “Star” in Berlin mal kurz an der Kinotür anschlagen, um gleich darauf im Privatjet zum nächsten Event zu düsen. Der ansonsten so ziemlich hässlichste Platz der Welt (aka Potsdamer Platz) simuliert auf einmal so etwas wie Leben und der Friedrichstadtpalast wird zum gigantischen Kinosaal: Schon dafür muss man die Berlinale lieben. Und wann haben Sie zum letzten Mal in einem Kino applaudiert? (Mein Lieblingsmoment in diesem Jahr: “Szenenapplaus bei Singing in the Rain” – einem Film von 1952!)

Berlinale Friedrichstadtpalast

Meine Berlinale beginnt jedes Jahr am Montag vor dem Festival, wenn die ersten Karten verkauft werden. Wer noch nie in einer Berlinale-Schlange stand, kennt Berlin nicht. Hier kommen sie alle zusammen: Die Nervensägen, die Kulturpessimisten, die Auskenner, die Besserwisser, die Freizeit- und die Vollzeitkritiker, die Filmemacher und Filmverrückten. In diesem Jahr verkaufte man Karten auch im Audi-Autohaus auf dem Kurfürstendamm. Samt Türpagen und Freikaffee und einem durch und durch Berliner Anstehpublikum. Hier bekommt man die wirklich heißen Filmtipps für Filme, die man nie im Leben in Erwägung gezogen hätte. (Eine Dokumentation über ein afghanisches Militär-Bataillon oder den Animationsfilm “Schneewittchen” von 1937 zum Beispiel. Das waren die guten Ideen …) Man lernt allerdings die Menschen auch gleich von ihrer schlechtesten Seite kennen. Was bei der Berlinale gedrängelt, geschubst und geschoben wird, lässt mich einmal mehr hoffen, in Berlin nie eine Naturkatastrophe oder eine gewaltsame Situation erleben zu müssen.

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