Kassel: Retrokultur im Märchenland

Kassel Kulturbahnhof

Je mehr ich reise, desto mehr schätze ich die deutsche Provinz und ihre kulturellen Wundertüten. Überall gibt es etwas zu entdecken und am meisten da, wo viele es nicht für möglich halten. So gehört Kassel seit einigen Jahren zu einer Stadt, in die ich immer wieder gerne fahre, auch weil es so viel Kultur zu erleben gibt. Selbst der Bahnhof heißt “Kulturbahnhof” – wo gibt es das woanders in Deutschland? Zwar hat die Stadt ihre Vorkriegsfassade weitgehend eingebüßt, doch da die Sechziger nicht nur in Mad Men wiederauferstehen, schätze ich an Kassel die ganz eigene Retro-Atmosphäre.

Kassel Freyheit Riesenrad

Zur Freude des mitgereisten Schlaubergerkindes ist in Kassel gerade “Freyheit”, wobei die Befragten die Herkunft dieses Begriffes nicht erklären können. Es handelt sich jedenfalls um einen Rummel mitten in der Stadt, dessen Höhepunkt der verkaufsoffene Sonntag zu sein scheint, glaubt man den Plakatierungen. Für uns war es das Riesenrad.Zwinkerndes Smiley

Kassel FridericianumKassel

Der Herbst ist da, auch in Kassel: Doch war es schön genug, um draußen zu frühstücken. Was eine weise Entscheidung war, denn – Wunder gibt es immer wieder – ich begegnete so ganz zufällig Frau Zweibeinerin. Den ärgerlichen Verlust ihrer Nummer hatte ich erst am Morgen im Zug bemerkt, denn unsere Anreise gestaltete sich dank Bahnstreikbedrohung diesmal doch eher spontan. So konnten wir uns rasch auf dem Laufenden halten und uns auf eine spätere Begegnung freuen. Denn diesmal hatten wir leider nur 12 Stunden Zeit mit nach Kassel gebracht.

Kassel Karlsaue Orangerie

Die genossen wir auch auf der Schönen Aussicht, eine Straße, die eben diese bietet, nämlich zur Karlsaue und Orangerie. Auf dieser Straße wohnten einst auch die als Brüder Grimm bekannt gewordenen Geschwister Jakob und Wilhelm Grimm. Weshalb hier heute auch das Brüder Grimm Museum von Kassel seine Heimat hat. Demnächst in einem neuen Gebäude mit Dachterrasse – und schöner Aussicht. Schon jetzt gibt das Museum einen spannenden Einblick in Leben und Werk der beiden Wissenschaftler, die leider Gottes für viele nur die Märchenonkel Deutschlands sind. Dass die beiden auch das größte und umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert verfasst haben, ist für viele unbekannt. Die Fertigstellung dauerte 123 Jahre und wird auch Der Grimm genannt, weil die beiden den Grundstein dafür gelegt haben.

Kassel KarlsaueKassel Karlsaue

Das Museum besitzt auch einen hübschen kleinen Buchladen, in dem man alte und neue Ausgaben der Märchen kaufen und vor allem wunderbar illustrierte Neufassungen entdecken kann. Grimms Märchen: Ohne Worte ist nicht nur für Comicliebhaber ein Hit.

Kassel Grimms Märchen ohne Worte

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4 Gedanken zu „Kassel: Retrokultur im Märchenland

  1. zweibeinerin sagt:

    Definitiv einer der kuriosesten Zufälle der letzten Zeit, dass wir uns dort begegnet sind. Ich gehe da nämlich auch nicht so oft frühstücken. Aber auf jeden Fall habe ich mich sehr gefreut.
    Schön, dass es dir wieder bei uns gefallen hat. Die Freyheit ist übrigens der Name eines ehemaligen Stadtteils, in dem viel Handel betrieben wurde. Ein Landgraf hat den Händlern irgendwann die Erlaubnis gegeben, an vier Sonntagen im Jahr zusätzlich Handel zu betreiben, wenn sie als Gegenleistung dazu einen Jahrmarkt veranstalten. Daran erinnert dieser Rummel in der Innenstadt und deshalb gibt es auch den verkaufsoffenen Sonntag. Es ist allerdings kein Traditionsfest in Kassel, sondern wurde irgendwann in den letzten 10 bis 20 Jahren wieder ausgegraben.
    Nächstes Mal müsst ihr mal Wanderschuhe mitbringen, denn immerhin sind wir hier ja quasi mitten im Zauberwald und können zum Frau Holle Teich, zum Dornröschenschloss und durch die Wälder von Rotkäppchen laufen 🙂

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  2. Hustelinchen sagt:

    Kassel steht ja tatsächlich auch noch auf meiner To-Do-Liste (wenn ich diesen coolen Bahnhof sehe, noch um so mehr). Wir kriegen es zwar irgendwie nie hin, zur Documenta hin zu kommen, aber irgendwann möchte ich doch noch den Bergpark Wilhelmshöhe und die Wasserspiele sehen. Vielleicht im nächsten Frühling!

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