Gesichter der Renaissance

Nein, ich wollte nicht hingehen, auf keinen Fall. Schon wieder Schlange stehen für den Hype, mit mir nicht. Zumal ich für alte Kunst nur punktuell etwas übrig habe. (Wobei mein wirklicher Horror erst mit den niederländischen Landschaftsmalern beginnt. DAS ist nun echt auch für den geneigten Kunstfreund – ähm, eine museale Herausforderung.) Nun bin ich doch im Bodemuseum zur “Ausstellung des Jahres” gewesen, vorgeblich, um meiner Mutter zur Seite zu stehen, die bei Menschenaufläufen zu Panikattacken neigt. Menschen gab es in der Tat reichlich, doch dank strategischer Überlegungen konnten wir uns schon 1,5 h nach Ticketkauf an sie heran drücken, wie sie vor der “Dame mit dem Hermelin” in 10er Reihe den Kunstkenner gaben.

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Dabei ist dieses Porträt von Leonardo da Vinci mitnichten das eindrucksvollste Werk der Ausstellung. Aber so ist das ja immer. Von daher ist es nicht dramatisch, dass dieses Kunstwerk inzwischen weitergereist und also in der Ausstellung nicht mehr zu sehen ist. Die übrigen Gesichter sind bis zum 20. November 2011 noch da und sehr lohnend: Vielleicht ist dann ja im Bodemuseum auch etwas weniger los. (Wobei die Daueraustellung dort für mich zu den schönsten Präsentationen gehört, die die wahrlich nicht arme Berliner Museenlandschaft zu bieten hat.)

Mein persönliches Lieblingsbild der Ausstellung war übrigens das „Bildnis eines Knaben“ von Andrea d’Assisi, das sonst in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zu sehen ist. Vielleicht auch, weil meine Eltern in meinen ersten Lebensjahren eine in braunes Plastik gerahmte Reproduktion neben dem Kachelofen zu hängen hatten. Das würde ich mir sogar heute wieder ins Wohnzimmer hängen, sozusagen als Retrodekoration. Doch leider ist es irgendwann auf der Müllkippe gelandet, befürchte ich. Weshalb ich wohl für immer mit meiner im Museumsshop frisch erworbenen Postkarte vorlieb nehmen muss – in Plastik gerahmte Reproduktionen Alter Meister sind bei IKEA & Co leider nicht im Programm.

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Ein Gedanke zu „Gesichter der Renaissance

  1. Fryderich sagt:

    … und wenn ich ergänzen darf: Die ganze Inszenierung dieser Ausstellung ist an sich schon auch noch der Erwähnung wert. Während man im benachbarten Gropius-Bau die Polen-Tür-an-Tür-Deutschland-Ausstellung nach dem Prinzip der Petersburger Hängung zugestellt hat, wirken die einzelnen Exponate der Renaissance-Ausstellung auf Augenhöhe mit dem Betrachter (wenn er denn den preußischen Gardemaßstäben gerecht wird) und trotz vieler Menschen um einen herum geht man bei einigen Bildern doch auf Du mit dem 500 Jahre alten Blickgeber. Mein „Liebling“? Greis mit Kind, oder die faszinierenden Frauengestalten. Auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

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