Die Sache mit der Wahrscheinlichkeit

Mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen kommt der Normalbürger häufig dann in Berührung, wenn es um Unwahrscheinlichkeiten geht mit dem Ziel einer Beruhigung der eigenen Vorstellungskraft. Also zum Beispiel der empirischen Unwahrscheinlichkeit, auf dem Weg in den Mallorca-Urlaub aus 10000 Metern Höhe aus einem brennenden Flugzeug zu fallen im Vergleich zu den durchaus ausgeprägteren Möglichkeiten des unerwarteten Ablebens, wenn man täglich in einem Kleinwagen über die Autobahn donnert. Oder allzu regelmäßig auf der Küchenleiter steht und die Fenster putzt. Vor den beiden letzteren Katastrophen muss ich mich nicht fürchten, denn ich erlebe beide Situationen allzu selten. Wobei „allzu“ schon wieder jede Menge Freiräume für Wahrscheinlichkeitstheorien lässt.

Mein Handyanbieter zum Beispiel warb vor ein paar Jahren damit, deutschlandweit über 97 Prozent Netzabdeckung zu verfügen. Was also die Wahrscheinlichkeit, im Mobilfunkalltag nicht erreichbar zu sein, für den Laien drastisch zu senken scheint. Tja, da hätte man wohl besser einen Mathematiker befragen sollen. Jedenfalls sind die drei offenen Prozente in meinem Fall ausreichend, um die Wahrscheinlichkeit, einen Anruf empfangen zu können, auf ein kaum erträgliches Maß drücken zu können. Unterboten wird dieses Maß nur von der Zahl der Anrufe, die ich ohne hin- und herlaufen, schreien, aus der Wohnung rennen oder schlicht „per Festnetz zurückrufen“ bewältigen kann. Die tendiert nämlich gegen null.

Man könnte natürlich ins Feld führen, dass es ja auch was hat, in der heutigen Zeit nicht ständig erreichbar zu sein. (Und also eine gewisse Dankbarkeit entfalten.) Jedoch ist es wohl kaum im Sinne des Erfinders der mobilen Telekommunikation, wenn schon eine ganz normale Berliner Altbauwohnung einem Dauer-Funkloch gleicht. Wenn diese Altbauwohnung auch noch der gewöhnliche Aufenthaltsplatz während der regulären Bürozeiten ist, nervt es einfach nur noch. Vor allem, weil sich die ausgesprochen günstigen Tarife dieses Handyanbieters durch all die Nachfragen und Rückrufe und möglicherweise verpassten Chancen ja doch sehr relativieren.

Zumal das Funkloch offenbar nicht auf hohe Decken mit Stuckdekor abonniert ist. Denn auch der Göttergatte leidet unter gleichem Anbieter und dessen Wahrscheinlichkeitsphilosophien der Netzabdeckung: Will heißen, er sitzt tagsüber im Funkloch in einem Neubau-Büro im sechsten Stock! Statt zum Lachen in den Keller geht es zum Telefonieren auf den Balkon. Wenn da nicht gerade ein Sandsturm ranrollt … Doch wie wahrscheinlich ist das in Berlin?

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2 Gedanken zu „Die Sache mit der Wahrscheinlichkeit

  1. Hustelinchen sagt:

    Ich hoffe, das ist jetzt nicht ausgerechnet genau der Mobilfunkanbieter, der mir monatlich mein Gehalt überweist…*hüstel*.

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  2. […] meinen Mobilfunkanbieter habe ich mich bereits ausführlich ausgelassen. Leider scheine ich in der Wahl meiner […]

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